Buch 
Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
Entstehung
Seite
21
JPEG-Download
 

VERVOLLKOMMNUNG DES FERNROHRS.

21

1801) dem Kriege ein Ende, sein hauptsächliches Resultat:dieAbtretung des linken Rheinufers an Frankreich, wurde für Baiernein wichtiger Gegenstand. Indem es auf der einen Seite seinesämmtlichen schönen Besitzungen abtreten musste, so verlor esauch noch seine diesseits des Rheins gelegenen pfälzischen Länder.Durch den Reiclisdeputations-Hauptschluss erhielt es dagegen eineEntschädigung, wobei sein Totalgewinn 99 3 /-t Quadratmeilen mit216 000 Einwohnern betrug. Auf Befehl der französischen Consular-regierung wurde in den neuerworbenen Ländern eine haierischeTriangulation angeordnet und die Leitung derselben einem ge-schickten Ingenieur, dem Oberst Bonne, übertragen. Beim Be-ginne derselben erwies es sich jedoch, dass die Herbeischaffung derdazu nöthigen Instrumente unmöglich sei, da Niemand sie verfer-tigen konnte. Schon früher hatte der dortige ArtilleriehauptmannReichenhach im Aufträge seiner Regierung eine Reise nach Eng-land zu seiner eigenen Ausbildung unternommen, dort hatte er dieberühmten Werkstätten von Ramsden und Berge besucht, erkannte also die Verfertigung der astronomischen Instrumente,doch konnte er allein nichts ausrichten, wenn er nicht geschickteMechaniker als Gehilfen hatte. Glücklicherweise gelang es ihm,einen Mann aufzufinden, der ein seltenes technisches Talent besass;es war dies der Uhrmacher Liebherr, mit dem er ein mechani-sches Institut für die Anfertigung der astronomischen Instrumentegründete. Durch die Vereinigung der beiden Talente gelang dasUnternehmen besser als man es erwartet hatte und die hier ver-fertigten Fernröhre und astronomischen Messinstrumente übertrafenbald durch die gelungenste Ausführung die des Auslandes. Nacheinem neuen Principe construirte Reichenbach eine neue Thei-lungsmaschine, die durch die Genauigkeit und Feinheit ihrer Lei-stungen alle bis dahin bekannten Arbeiten der Art hinter sich liess.Von wichtigen Folgen für das Gedeihen dieses Unternehmens warder Beitritt Utzschneiders, eines seltenen Mannes, der alleZweige der Industrie und Staatsverwaltung seines Vaterlandes miteiner rastlosen Thätigkeit zu heben suchte. Dadurch wurde dasmerkantilisch geregelte Geschäft ausgebreiteter und begann nochmehr an Berühmtheit zuzunehmen. Es ist bekannt, dass bei derVerfertigung der optischen Instrumente die Herstellung von fehler-freiem Flintglase stets eine Hauptschwierigkeit war, die meistenenglischen Künstler hatten die Verfertigung desselben stets alsGeheimniss betrachtet. Auch in München wurde das Bedürfnissnach diesem Glase fühlbar, denn es war dort kein Optiker vorhan-den, der es zu bereiten verstand, und das vorhandene Glas war