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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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VERVOLLKOMMNUNG DES FERNROHRS.

wenig brauchbar; man musste also mit allen Kräften diesem Uebelbegegnen. Es wurde versucht, demnach einen Optiker für dieseGlasverfertigung im Auslande aufzufinden, weshalb v. Utzschnei-der sich dorthin begab. Endlich gelang es ihm in der Schweiz,in La Chaux de fonds, das durch seine Uhrfabrikationen eineneuropäischen Ruf hat, einen geschickten Optiker Namens Guinaudzu finden, der sich auch entschloss, die Reise nach München zuunternehmen. Obgleich dieser talentvolle Mann die Kunst erfun-den hatte, reines Flintglas in grossen Dimensionen herzustellen, sofand er doch wenig Gelegenheit, sein Geheimniss zu verwerthenund er war gezwungen, sich oft mit gewöhnlicher Tagesarbeitseinen Lebensunterhalt zu verschaffen. Utzschneider hatte imJahre 1805 die frühere Abtei Benedictbeurn, 15 Stunden vonMünchen, käuflich an sich gebracht, um die verlassenen Kloster-gebäude wieder mit Menschen zu besetzen und die Klosterwaldungenzu benutzen. Dort legte er eine gewöhnliche Glashütte an, die erim folgenden Jahre 1806 zur Herstellung des erforderlichen Crown-und Flintglases in eine Künstlerhütte umwandelte. Hierher begabsich später Guinaud und stellte vollkommenes, reines Flintglas her,welches in jeder Hinsicht Bewunderung erregte. Doch nicht langesollte dort seine Wirksamkeit dauern, er begab sich bald nach derSchweiz zurück und man musste einen Nachfolger suchen. Esfand sich Fraunhofer, ein seltener junger Mann, der entblösstvon allem Unterrichte durch nächtliche Studien sich bedeutende,mathematische Kenntnisse angeeignet hatte, bis endlich verschiedeneLebensschicksale ihn in den ihm von der Natur bestimmten Wirkungs-kreis versetzten. Durch die Kraft eines beharrlichen Willens be-seitigte er alle Hindernisse, die oft für ihn sehr drückendwaren und eilte unaufhaltsam, seinen höheren Beruf fühlend, dereignen Bestimmung zu. Als Glaserlehrling kam er nachBenedictbeurn, dort wirkte er einige Zeit bei der Glasverfer-tigung Guinauds mit, so dass er dessen Verfahren genau kennenlernte, er konnte demnach beim Abgänge desselben seine Stelleeinnehmen. Fraunhofer lieferte auch bald dasjenige Flintglas, dassich von dem seines Vorgängers in Nichts unterschied; er suchtediese Kunst unablässig zu vervollkommnen und war nach einigerZeit so weit gekommen, dass er das frühere Verfahren bedeutendverbesserte und so Objective lieferte, die zur Herstellung der treff-lichsten Instrumente dienten. Diese seltene optisch-mechanischeKünstlerwerkstätte bestand bis zum Jahre 1814, als die frühergenannten Begründerderselben sich trennten. Utzschneiderund Fraunhofer gründeten hierauf das optische, dagegen