VERVOLLKOMMNUNG DES FERNROHRS.
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Gleichzeitig mit Herschel hatte in Deutschland Schröterin Lilienthal nicht weit von Bremen sehr gute Spiegelteleskope,mit denen er seine bekannten, trefflichen Beobachtungen anstellte.Die Beschreibung des grössten derselben befindet sich in dessen„Aphroditographischen Fragmenten, Helmstedt 1796“. Dasselbehatte 27 Fuss Länge und man konnte abwechselnd zu demselbenzwei Spiegel anwenden, von denen der eine 19y 4 , der andere20 Zoll im Durchmesser hatte. Obgleich die Dimensionen derselbenmeist nicht sehr gross waren, so hatten sie dennoch ein bedeuten-des Gewicht, denn der erste wog 180 und der zweite 200 Pfund.Auch die Brennweite der beiden Spiegel war etwas verschieden,denn die des ersten betrug 25, die des zweiten dagegen 27 Fuss.Der grosse Spiegel war in einer achtkantigen, weiss angestrichenenRöhre befindlich, deren Durchmesser 2 Fuss 4 Zoll enthielt. Zudiesem schönen Instrumente gehörten zwei Aufsucher, wie siefrüher beschrieben wurden; von diesen beiden war das eine eingewöhnliches, dioptrisclies Fernrohr, das ein Gesichtsfeld von4 Graden fasste, das andere dagegen war ein achromatisches vonChapman in London construift. Der Mechanismus, durch dendieses grosse Teleskop bewegt wurde, war so ausserordentlich,dass nur eine kleine Kraft hinreichte, um dasselbe nach jedemPunkte des Himmels hin zu richten. Ausserdem hesass derReflector eine solche Vorrichtung, dass man den kleinen Fang-spiegel fortnehmen und denselben als ein Herschel’sches Front-view- Teleskop anwenden konnte.
Ein zweiter Beobachter in jener Zeit, der durch seine treff-lichen Teleskope ebenfalls mehrere scliätzenswerthe Beobach-tungen anstellte, war Graf v. Hahn zu Remplin umweit Mecklen-burg-Strelitz. Derselbe besass zwei ausgezeichnete Reflectoren vonHerschel, deren Länge 20Fuss betrug und von dem eins 18 Zollim Durchmesser hatte. Bemerkenswerth war die Sorgfalt, mit derdiese seltenen Instrumente ausgeführt waren, denn ein jeder Theilderselben zeugte von der Geschicklichkeit des Künstlers. Daseine war. ohne Fangspiegel, um es ebenfalls als Front-view zugebrauchen, zu demselben gehörten drei Oculare. Das andere da-gegen, ganz nach Newton’schem Principe construirt, hatte 12 Zollim Durchmesser nebst zwei Ocularen. Bei beiden Teleskopen be-fanden sich die Spiegel in Röhren von Holz mit eisernen Bändenund Segeltuch überzogen und ihre Aufstellung war nach einemMechanismus ausgeführt, der nichts zu wünschen übrig liess. Dasgrosse Teleskop von 39 engl. Fuss wurde von dem Sohne des be-rühmten Astronomen, John Herschel, bei seinen Beobachtungen
Schorr, der Venusmond. * 3