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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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DIE NEBENPLANETEN.

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längs derselben als kleine, bewegliche, glänzende Pünktchen. Eineseltene Ausnahme von allen bekannten Umlaufszeiten im Sonnen-system ist die des siebenten Satelliten, die weniger als einen Tagbeträgt, doch das Firmament bietet so viele Wunder dem mensch-lichen Blicke, dass dieses nicht dass grösste ist.

Die Beobachtungen, welche Cassini mit seinen grossen Fern-rohren im Jahre 1684 anstellte und dadurch die beiden Mondeentdeckte, machte er mit zwei Ohjectiven von Camp an i, von denendas eine 100 und das andere 136 Fuss Focallänge hatte, in derFolge gebrauchte er auch zwei neue Objective von 90 und 70 Fuss.Diese grossen Glaslinsen wurden, wie früher erwähnt, ohne Itöhrezu den Beobachtungen angewendet, er stellte sie bald oben aufdas Observatorium von Paris, bald auf die Spitze eines grossenMastes, endlich auf einen hölzernen Thurm, der von Marly zudiesem Behufe nach Paris gebracht worden war.

Auch von diesen Satelliten suchte Herschel einige Zeit hin-durch die Lichtintensität zu bestimmen, obgleich hier mehrereSchwierigkeiten als hei denen des Jupiters sich vorfanden. Erbemerkte, dass der fünfte Mond sich im grössten Lichte befindet,wenn er nach dem Durchgänge durch die untere Conjunctionim 68. und 129. Grade in seiner Bahn ist, vorausgesetzt, dassman diese letztere von der Conjunction an rechnet, in diesemIntervalle ist er beinahe weniger glänzend als der vierte Mond.Früher schon und zwar im Jahre 1705 beobachteten Cassini undMaraldi, dass der Satellit vollständig verschwand, wenn er sichim Osten seiner Balm befand. Die Veränderung dieses fünftenMondes kann man sehr gut vergleichen mit der eines Sternes, derfür das freie Auge von der zweiten bis zur fünften Grösse herab-sinkt, wie wir dies oft an den veränderlichen Fixsternen bemerken.W. Herschel hat während mehr als 10 Umläufen diese Glanz-ahstufungen beobachtet und hieraus den consequenten Schluss ge-zogen, dass dieser Mond seinen Hauptplaneten immer dieselbeSeite zuwendet. Von einigen mit Cassini gleichzeitigen Beob-achtern wurde die Meinung ausgesprochen, dass im September desJahres 1705 der fünfte Mond ebenso wohl östlich als westlich vomHauptplaneten gesehen wurde, und man schloss hieraus, dass seineRotationszeit um sich seihst gleich seiner Umlaufszeit um denSaturn sei. Diese Schlussfolge würde nicht zulässig sein, wennder Mond allmälig in verschiedenen Theilen seiner Bahn sich inseinem grössten Lichte befunden hätte. Seine Wiedererscheinungim Osten in einigen seltenen Fällen, glaubt man, sei das Zeicheneiner physischen Veränderung.