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MOND DER VENUS.
Wahrnehmungen auch Vertrauen verdienten. Seihst in unsererZeit würden sie noch zu den verdientesten Männern der Wissen-schaft gehören, deren gewissenhafte Untersuchungen dahin ge-richtet sind, sich vor Selbsttäuschung zu bewahren und denjenigenWeg zu verfolgen, der allein zur Wahrheit führt. Sehr treffendsagt daher in der Monatl. Correspondenz ßd. V, S.343 Bernoulli:„Fast scheint mir’s unglaublich, dass Cassini, Short, Mon-taigne, Baudouin u. a. m. ein Ding, wie der Abglanz vom Augedarstellen muss, eigentlich nur ein Schattenbild von einem Sterne,von einem wirklichen Sterne nicht hätten unterscheiden können.“
Auch kann man das Vorhandensein dieses Mondes nicht inAbrede stellen, indem man als Grund dafür erfährt, dass derselbeseit 1764 nicht mehr gesehen worden ist. Dasselbe ist nur da-durch sehr einfach zu beantworten, dass nach den misslunge-nen Versuchen, während der beiden letzten Vorübergängeund der von Lambert berechneten Stellung des Venusmoiuleszur Zeit der Conjunction vom 1. Juni 1777 denselben auf derSonnenscheibe zu sehen, niemand sich mit dergleichen Beobach-tungen mehr beschäftigt hat. Uebrigens da die physische Be-schaffenheit seiner Atmosphäre denselben sehr oft unsichtbarmacht, so werden auch in Zukunft nur wenige Astronomen den-selben wahrnehmen können, vorausgesetzt, dass man noch nichtden Ort desselben am Himmel im Voraus genau berechnen könnte.
Die erste Entdeckung des Venusmondes geschah den 15. Novem-ber 1645 Abends von Franz Fontana in Neapel, der bereitseinige Tage vorher, nämlich den 11. desselben Monats, einen kleinendunkeln Flecken auf der Mitte der Mondsichel wahrgenommen ^hatte. Es erschien damals, den 15. November, ein dunkeles Kügel- feben über dem nördlichen Horne der Venus, unter dem ersten Iaber ein zweites dunkeles*). Der Entdecker wusste diese Er-scheinung nicht anders zu deuten, als dass er glaubte, es befände jsich damals irgend eine Lufterscheinung, ein Meteor oder der-gleichen vor der Venussichel.
Nachdem diese Beobachtung Fontana’s bekannt wurde,suchten P. Grimaldus, Riccioli und Gassendi jenes erwähnteschwach leuchtende Kügelchen auf, ohne jedoch es auf irgend eineWeise unter Anwendung verschiedener Fernröhre zu entdecken.
Diese Stelle befindet sich in Riccioli’s Almagestum novum,Tom. I, p. 485. Auch der französische Astronom, Peter Gassen-dus, spricht davon in seiner Institutio astronomica, p. 131.
*) Wahrscheinlich der Schatten des ersten.