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MOND DER VENUS.
den nur für mehrere Fälle mitgetheilt. Nach dem Inhalte der Ab-handlung zu urtheilen, ergieht es sich sehr deutlich, dass Hellnicht so glücklich war den Venusmond zu sehen, sondern stetsnur einen solchen Widerschein dafür gehalten hat. Aber mankann hieraus auch die Möglichkeit ableiten, dass Fontana,Cassini, Short, Meier, Rödkier, Horrebow und Mont-barron auch nur einen solchen Schein, durch ihre Fernröhre ver-anlasst, gesehen haben. Uebrigens gestand der Verfasser 'jenerBeweise, dass er keineswegs die Absicht habe, die Beobachtungendieses Mondes von anderen als illusorisch zu bezeichnen, sonderner veröffentlicht nur dasjenige, welches er seihst wahrgenommenhat, um die Astronomen bei derartigen Beobachtungen zur Vor-sicht zu mahnen.
Es war nach dem ersten Vorübergange der Venus vor derSonne noch die Hoffnung vorhanden, diesen Mond hei dem zweitenvon 1769 zu erblicken, doch auch damals wurde er nicht gesehenund man bemühte sich nicht mehr denselben aufzusuchen.
Lambert sagt sehr treffend: „Es gieht nun aber ausser denMitteln, die Herr Hell zur Entdeckung des optischen Betrugs vor-schlägt, noch eines, welches den Satelliten unmittelbar selbst be-trifft. Denn ist ein Satellit um die Venus vorhanden, so muss erauch in seinen Erscheinungen sich als ein Satellit zeigen, dem-nach seine Bewegung gesetzmässig und ordentlich sein. Dieses istgerade, was den Herrn Baudouin und die Akademie der Wissen-schaften zu Paris bewogen hat, die Beobachtungen des HerrnMontaigne, zumal da noch die vom 11.Mai hinzugekommen,nichtso ganz zu verwerfen, sondern wegen ferner anzustellenden Beob-achtungen dem Drucke zu übergeben. Herr Montaigne sah zuvier Malen den Satelliten in solchen Stellungen, die in der Tliatauf einen Satelliten passen, und wenn sie, so viel die eben nichtallzu genauen Angaben zulassen, näher untersucht werden, soergieht sich daraus die damalige Gestalt, sowie die Lage der Bahndes Satelliten und die Umlaufszeit von 11 Tagen.“
Eine bedeutende Bestätigung der Hell’schen Vermuthung er-hielt dieselbe durch Wargentin in Stockholm, der im Jahre 1761bald nach Montaigne’s Beobachtungen den Venusmond auf-suchte und ebenfalls glaubte, denselben entdeckt zu haben; dochals er das Fernrohr um dessen optische Axe herumdrehte, so nahmer wahr, dass auch der vermeintliche Mond wie ein Flecken imOcularglase um dieselbe sich bewegte.
Lambert suchte indess aus Montaigne’s Beobachtungendie Bestimmung der Bahn des Venusmondes abzuleiten und eine