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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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MOND DER VENUS.

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besondere Abhandlung darüber der Berliner Akademie der Wissen-schaften vorzulesen. Die damalige Entdeckung dieses neuen Welt-körpers machte so viel Aufsehen, dass Friedrich der Grosse vor-schlug, denselben nach dem Namen seines gelehrten FreundesDalembert zu benennen. Doch dieser wollte die königlicheGunstbezeugung nicht annehmen, indem er erwiderte:Sire! Jene suis ni assez grand pour devenir au ciel le satellite de Venus,ni assez jeune pour letre sur la terre, et je me trouve trop biendu peu de place, que je tiens de ce bas munde, pour en ambitionerune au firmament.

Bei Gelegenheit der untern Conjunction der Venus mit derSonne, den 1. Juni 1777, glaubte Lambert, der Begleiter diesesPlaneten werde auf der Sonnenscheibe sichtbar sein, denn nachden von ihm hierüber angestellten Berechnungen sollte derselbean dem genannten Tage um 3 Uhr Nachmittags unterhalb desMittelpunktes der Sonne gesehen werden. Die Astronomen such-ten indess denselben vergebens und allgemein glaubte man, diefrüheren Beobachtungen seien Täuschungen gewesen, wodurchHells Meinung bedeutend an Wahrscheinlichkeit gewann. WeitereNachforschungen diesen Venusmond zu sehen haben nicht statt-gefunden, denn wie Lambert selbst sagt:Wenn man mehrereJahre hindurch nichts von einem Satelliten sieht, so wird man desfernen Naclispürens leicht müde.

Eine Berechnung der Bahn dieses angeblichen Satellitenwurde von dem oft schon genannten gelehrten MathematikerLambert in Berlin unternommen, der für denselben auch Tafelnberechnet hatte, die, obgleich nur auf einzelne Grade gehend,wenn die Epoche, der Ort in der Balm und die Umlaufszeit richtiggewesen wären, dennoch der Ort dieses Mondes in seiner Bahnfür jede Zeit annähernd hätten ergeben können. Die Elementewaren die folgenden:

1760'0 Aphroditocentrischer Ort

4 Z. 9°

Aphelium

11 19

Aufsteigender Knoten

4 29

Neigung

64«

Excentricität

OT95

Mittlere Entfernung vom Hauptplaneten 66 >,4 VenushalbmesserUmlaufszeit 11 Tage 5 Stunden.

Die Oerter des Apheliums und des aufsteigenden Knotens ver-änderten sich nach diesen Tafeln sehr schnell, denn die jährliche