IV.
Die optischen Nebenbilder im Fernrohre.
Seit den grossen Fortschritten der Dioptrik und der Erfin-dung der Fernröhre hat gewiss niemand daran gedacht, dass mandurch dieselben bisweilen zu Täuschungen veranlasst werdenkönne, die namentlich auf die Beobachtung der Satelliten ange-wandt zu grosser Vorsicht mahnten. Unter allen Planeten undFixsternen erscheint Venus in den meisten Fällen in einem sehrintensiven Lichte und ist dieselbe nach 01bers trefflicher Be-rechnung (Monatl. Correspondenz. T. VIII, S. 308) sogar in dergrössten Ausweichung noch so glanzvoll, dass dasselbe 19 oder23 Sternen von der Grösse des Aldebarans gleichkommt. DerVollmond hat nur 17 000 mehr Lichtstärke als die halberleuchteteVenus.
Beobachtet man diesen Planeten, namentlich gegen die Zeitseines grössten Lichtes, so kann es bisweilen sich ereignen, dassman neben demselben ein kleines Nebenbild wahrnimmt, das ganzdem Bilde der Venus in seiner Gestalt gleich ist. Durch den leb-haften Glanz dieses Planeten bildet sich auf der Hornhaut desAuges ein kleines Bild, das wieder auf das Ocular oder Augenglasdes Fernrohrs zurückgeworfen wird und so, nach der AnnahmeHell’s und einiger anderer Astronomen, zu der irrigen Annahmeeines Venusmondes veranlasste, da man neben der Venus einezweite kleinere zu erblicken glaubt. Doch sind dieses äusserst