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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
Entstehung
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OPTISCHE NEBENBILDER.

seltene Fälle, die jedem geübten Beobachter augenblicklich be-merkbar werden. Nach Lalande kann man sich eine Idee vondieser optischen Erscheinung bilden, indem man aufmerksam dasNebenbild betrachtet, das durch einen doppelten Widerschein ge-bildet wird, indem man durch eine convexe Glaslinse einen hellenGegenstand betrachtet, der sich auf einem dunkeln Grunde befin-det und einen sehr kleinen Durchmesser hat. Beabsichtigt manein Nebenbild von demselben zu erblicken, so genügt es, die Glas-linse so zu stellen, dass der beobachtete Gegenstand ausserhalbder Axe derselben liegt; dasselbe wird entweder an derselben oderan der entgegengesetzten Seite des wahrgenommenen Objectes er-scheinen, je nach den verschiedenen Lagen des Auges und derGlaslinse. Wenn man zwei Glaslinsen zusammenfügt, so erblicktman mehrere Nebenbilder derselben Art, wenigstens, in gewissenStellungen, doch meistentlieils sind sie unmerklich, da ihr Lichtzerstreut ist und ihr Brennpunkt nahe der Axe liegt, es kann aberauch der Fall eintreten, dass sie sich ausserhalb des Gesichts-feldes dieser Glaslinsen befinden. Doch giebt es viele Fälle, sagtLalande, in denen diese Strahlen sich vereinigen und ein falschesBild oder Spiegelbild hervorbringen. Es ist aber sehr leicht, dieseNebenbilder zu entdecken, denn bewegt man das Auge nach dereinen oder der andern Seite, so wird das gesehene Nebenbild die-selbe Bewegung annehmen, es verschwindet sogar, wenn das Augesich dem Ocular des Fernrohrs nähert oder sich von demselbenentfernt.

Eine solche Erscheinung nahm zuerst im Jahre 1757 der be-rühmte Wiener Astronom Hell wahr, da er durch ein Gregoria-nisches Teleskop den Venusmond aufsuchte, denn er erblickteeinen Wiederglanz der hellen Venus, der einem Satelliten glich. Erverrieth sich aber sehr bald, denn durch das Hin- und Herbewegendes Auges veränderte er in gleicher Weise seine Stellung undverschwand oder erschien aufs Neue, je nachdem das Auge sichdem Fernrohre näherte oder sich von demselben entfernte.

Dadurch kam Pater Hell auf die Idee, dass die früher wahr-genommenen Erscheinungen eines Venusmondes sich sehr gut alsNeben- oder Spiegelbilder des Augenglases im Teleskope erklärenlassen.

Die Entstehung dieser Bilder wird sehr treffend dargestelltdurch eine Beobachtung, die Bode den 21. Juni 1788 zu Berlinanstellte, und folgendermaassen beschreibt:

Den 21. Junius sähe ich durch ein Sb^fussiges Fernrohr vonDollond bei der Venus ein vom Ocular entstehendes Nebenbild,