OPTISCHE NEBENBILDER.
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welches bei einer gewissen, grossem Entfernung des Oculars vomObjectiv, wobei die Venus selbst undeutlich wurde, zum Vorscheinkam und sich beim Umdrehen des Oculars um die Venus drehte.“
(Astron. Jahrbuch 1792. S. 234.)
Diese Beobachtung ist gänzlich übereinstimmend mit der desschwedischen Astronomen War gentin, die wir Seite 72 bereitsmitgetheilt haben, der verdienstvolle Berliner Astronom beschreibthier deutlich, wie das Nebenbild entstand.
Ueber diese Neben- oder Spiegelbilder tbeilt der verewigteProf. Anger in seinem Werke: „Vorlesungen über Astronomie“S. 103 einige sehr gute Bemerkungen mit, denn er sagt:
„In der That, wenn man viel mit Fernröhren zu thun gehabthat, so muss man zugeben, dass bisweilen neben einem bellenSterne sich durch blosse Spiegelung noch ein mattes Bild dessel-ben zeigt, ja die Sonne selbst erzeugt solche Spiegelung, wie beider totalen Sonnenfinsterniss vom 28. Juli 1851 dieselbe von meh-reren Beobachtern wahrgenommen wurde. Vermuthlich findethier ein Spiel doppelter Reflexion in der Weise statt, dass dieHornhaut des Auges das empfangene, glänzende Bild auf dieFläche der Ocularlinse und dasselbe wieder ins Auge auf eineandere Stelle zurückwirft. Wenn von solchen, die nur seltendurch Fernröhre sehen, neben der Venus ein zweiter Stern ge-legentlich wäre bemerkt worden, so würde man sich nicht veran-lasst fühlen, diesen für einen Trabanten des Planeten zu erklären,sondern der erwähnten Spiegelung, welche unter Umständen ein-treten kann, sich erinnern und die Wahrnehmung einer optischenTäuschung zuschreiben, falls eine wiederholte Beobachtung denzweiten Stern nicht zeigte. Aber so leicht konnte man die aus-gezeichneten Astronomen nicht abfertigen wollen, welche durchwichtige und genaue Arbeiten ihre Beobachtungskünste längst be-wiesen hatten, als sie behaupteten, einen Begleiter der Venus ge-sehen zu haben.“
Wir haben bei der Mittheilung des ersten Abschnittes überdie Erfindung und Vervollkommnung der Fernröhre die Absichtgehabt, die Construction derselben so zu beschreiben, dass manbei ihrer Benennung auch ihrer sogleich sich erinnert. Nach-dem wir nun die Entstehung der Nebenbilder und ihre Bildungauf dem Ocular bezeichnet haben, so könnten wir die Frage auf-werfen, bei welchen Fernrohren und Teleskopen diese Art vonfalschen Bildern wohl am häufigsten Vorkommen müssen und wirwerden zu der Antwort geführt, dass die nach dem PrincipeGalilei’s construirten und mit einem concaven Ocular versehenen