96 DIE FLECKEN AUF DER OBERFLÄCHE DER VENUS.
wurde es wieder den Gelehrten sehr schwer, die Entstehung derFlecken auf der Sonne zu erklären. Unter vielen darüber aufge-stellten Hypothesen ist unstreitig die des Gascoigne ambemerkenswerthesten, da dieser glaubte, eine grosse Zahl kleinerPlaneten umkreise die Sonne und durch den Vorübergang mehre-rer von denselben in gleicher Zeit bilden sich, mit ihren vielfachenScliattirungen, die Sonnenflecken. Als man später eine richtigeAnsicht von der Sonnenatmosphäre erlangte und die Entstehungder Flecken auf der grossen Lichtkugel sachgemäss deutete, dannkonnte man dennoch sagen, dass durch den Vorübergang derunteren Planeten, Mercur und Venus, vor der Sonnenscheibe sichdennoch auf derselben Flecken bilden, doch diese haben eine kreis-runde, tiefschwarze Gestalt. Durch die Entdeckung der Fleckenauf dem Jupiter konnte man dieselben schon leichter erklären, alsdie der Sonne, indem man eine Analogie zwischen beiden auf-stellte, doch auch auf diesem Planeten bilden sich, wie früherSeite 44 mitgetheilt, dunkele, unförmliche Flecken, es kommenaber auch nach Seite 47 desselben Abschnittes helle, unförmlicheFlecken vor, die sich vom Vorübergange der Jupitersmonde vorder Scheibe dieses Planeten zeigen. Ebenfalls hat man auchVorübergänge der Satelliten des Saturns vor dessen Scheibebemerkt, darüber wir Seite 51 das Nähere mittheilten, auch siebildeten gestaltlose Flecken auf derselben. Hätte man nichts vonden Jupiters- oder Saturnsmonden gewusst, wie sollte man das nureinige Zeit dauernde Entstehen und Verschwinden dieser Fleckendeuten sollen, wahrscheinlich durch plötzliche Veränderungen inder Atmosphäre dieser Planeten, da doch die Entstehung dersel-ben bedeutend höher als diese Atmosphären sich befinden, zusuchen war?
Wenn man in der That überzeugt ist, dass der uns am näch-sten sich befindliche, untere Planet einen Begleiter hat, der sichin einer bestimmten Umlaufszeit um denselben bewegt, so wirdman auch annehmen müssen, derselbe gehe bisweilen, wie soebenvon den Jupitersmonden erwähnt ist, auch vor der Venusscheibevorüber. Die Vorausberechnung des Ortes dieser kleinen Satel-liten ist aber gegenwärtig durch die geniale Entwickelung derPerturbationstlieorie des berühmten Laplace und durch die ge-nauen Tafeln dieser Weltkörper von Delambre und Damoiseauso gut übereinstimmend mit den Beobachtungen, dass man mit einergrossen Genauigkeit die Zeit solcher Vorübergänge berechnen kann.
Die meisten Beobachter dieser Erscheinung bemerken, dassder Trabant vor dem Jupiter stehend verschwinde, da seine
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