DIE FLECKEN AUF DER OBERFLÄCHE DER VENUS. 97
Lichtstärke der dem gleichgrossen Theile der Planetenscheibevöllig gleich ist. Einige aufmerksamen Astronomen, deren Namenin dem betreff enden Abschnitte genannt wurden, beobachteten in-dess ziemlich grosse Flecken auf der Oberfläche der Trabantenwährend eines solchen Vorüberganges. Diese Flecken allein wer-den dann nur auf dem Jupiter sichtbar, während die Ränder derkleinen Scheibe derselben völlig verschwinden. Diese Wahr-nehmung ist durch neuere Beobachtungen bestätigt, die auch dar-gethan haben, dass die Rotationszeit der Nebenplaneten um ihreAxe nicht immer, wie es hei unserm Monde der Fall ist, der Um-laufszeit um ihren Hauptplaneten gleich sei.
Wendet man diese Bemerkungen auf den Venusmond an, soist man versucht, mehrere auffallende Flecken und helle Licht-punkte, die sich bisweilen auf der Oberfläche dieses untern Plane-ten zeigten, für wirkliche Vorübergänge jenes Begleiters zu haltenund nachzusehen, ob sie etwa in Verbindung mit der oben gefun-denen Umlaufszeit stehen. Die aufmerksamsten Beobachter derVenus waren ausser Fontana und Cassini namentlich Bian-chini und Schröter; der erste theilte seine trefflichen Wahr-nehmungen in dem Werke: „Hesperi et Phosphori nova Phaeno-mena,Romae 1728“ mit, der andere dagegen in seinen „Aphrodito-graphischen Fragmenten zur genauen Kenntniss des PlanetenVenus, Helmstädt 1796“. Ausserdem finden sich zerstreute Nach-richten über diesen Gegenstand von anderen Astronomen in denHist, de l’Academie Royale d. S. de Paris, Conaissance des tems,sowie in Bode’s astronomischen Jahrbüchern.
Die ersten Flecken auf der Venus sah unstreitig Fontananoch vor Cassini, den man allgemein für den ersten Entdeckerderselben ansieht, Bianchini beobachtete dieselben drei Jahrenach einander, doch am längsten wurden sie ununterbrochen 15 Jahrehindurch unter verschiedenen Abwechselungen von Schröterwahrgenommen. W. Herschel beobachtete mit seinem grossenTeleskope ebenfalls solche Erscheinungen, die sich in den Trans-actions phil. LXXXIII von 1793 erwähnt vorlinden; obgleich ersich mit diesen Beobachtungen seit 1777 beschäftigte, so erlaubtendoch seine anderweitigen wissenschaftlichen Arbeiten ihm nicht,sich mit diesem Gegenstände lange und anhaltend zu beschäftigen.Jeder dieser Astronomen hatte aber bei den Beobachtungen mehroder weniger die Absicht, den physischen Bau der Oberflächedieses oft im glänzenden Lichte uns erscheinenden Planeten zuerforschen, während Schröter noch ausserdem beabsichtigte, dieAtmosphäre, die Rotation und die Höhe der Berge desselben
Schorr, der Venusmond. 7