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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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98
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98 DIE FLECKEN AUF DER OBERFLÄCHE DER VENUS.

zum Gegenstände seiner Beobachtungen und Untersuchung zumachen.

Es würde die diesem Werke gesetzten Grenzen überschreiten,wenn man alle besonders von Schröter gesehene Erscheinungendieser Art hier anführen wollte, doch genügt es, die vorzüglichen hel-len und dunkelen Flecken, sowie sonstige auffallende Hervorragungenund Vertiefungen an der Erleuchtungsgränze besonders hervorzu-heben und ihrem Beobachtungstage gemäss zu verzeichnen. Ausder Annahme eines die Venus umkreisenden Begleiters ist es aucherklärbar, weshalb Lamont in Bogenhausen im Jahre 1836 mitdem ausgezeichneten Itefractor keine Flecken wahrnahm, obgleichder berühmte Astronom dieselben sorgfältig aufsuchte. In ebendemselben Jahre beobachteten auch Beer und Mädler in Berlinsehr aufmerksam mehrere Male die Venus, auch diese Beobachterkonnten nur als Resultat ihrer Bemühungen dasselbe aussagen,was Lamont anführte. Geht man von der Voraussetzung aus, dassauffallende Flecken und helle Punkte auf der Venusscheibe durchden Vorübergang des Satelliten vor derselben entstehen und nacheinigen Stunden wieder verschwinden, so können dieselben nur indenjenigen Jahren beobachtet werden, wenn die Knotenlinie derVenusmondshahn mit dem Visionsradius des Beobachters eineLinie bildet, da dann der supponirte Mond in der Gestalt eineshellen oder dunkeln, meist unförmlichen Flecken über die Venusvorübergeht.

Auch ergiebt sich durch die Annahme eines Begleiters derVenus, dass de Vico in Rom 1841 die Flecken in eben derselbenGestalt wiedergesehen, wie sie 1726 Bianchini beobachtetund abgezeichnet hat. Denn während man früher oder auch nochbis jetzt dieselben als der Venuskugel selbst angehörend bezeicli-nete, die vermöge ihrer wenigem oder mehrern Lichtintensitätdurch die in jener Zeit sehr dünne Venusatmosphäre uns sichtbarwurden und Erhöhungen oder Vertiefungen der Oberfläche diesesPlaneten darstellten, so könnten sie nach einem so langen Zeit-räume durch solche zufällige atmosphärische Erscheinungen nichtdieselben Formen zeigen.

W. Herschel behauptete stets gegen Schröter, dass dieFlecken nur von der Atmosphäre jenes Planeten abhängen, hellePunkte sah er niemals auf der Venuskugel und war nicht geneigtdie hohen Berge, die Schröter auf der südlichen Hälfte derVenus beobachtet und deren Höhe er gemessen hat, als aus denBeobachtungen hervorgehend anzunehmen. Schon die Höhen derBerge dieses Planeten von vier und noch mehreren Meilen, die der