DIE FLECKEN AUF DER OBERFLÄCHE DER VENUS. 99
Lilienthaler Astronom berechnete, mussten zur Vorsicht mahnen,da sie auch in guten Fernrohren am Rande der Venus bisweilenals kleine Hervorragungen sich zeigen mussten, doch dieses warniemals der Fall. Nimmt man aber diese Licht- oder Schatten-punkte als durch den Trabanten hervorgebracht an, so fallen jeneillusorischen Berghöhen weg und wir kommen zu der Ansicht, dassVenus eine gleichmässige, dichte Atmosphäre habe.
Die bemerkenswerthesten Lichtpunkte mit den aus ihnen ab-geleiteten Höhen waren nach Schröter folgende:
1789
1790
1793
1794
28. December, senkrechte Höhe des Berges 4Vio Meilen
21. Februar
11
11
11
11
2 8 /io *
12. März
11
11
11
11
27io „
16. Mai
11
11
11
11
S /4 „
19. „
11
11
11
11
V. „
20. December
11
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11
11
2 3 / io „
22.
11
11
11
11
1
Der durch seine Untersuchungen über die physische Gestal-tung der meisten Planeten und Nebenplaneten unseres Sonnen-systems hochverdiente Lilienthaler Astronom hielt diese hellenPunkte, die er in der Nachtseite der Venus beobachtet hatte, fürBergspitzen, die noch von der für diesen Theil des Planeten schonuntergegangenen Sonne beleuchtet wurden; auf diese Voraus-setzung sich stützend konnte er die Höhen der sogenannten Bergeermitteln. Hieraus glaubte dieser Beobachter eine Analogiezwischen der physischen Gestalt der Oberfläche der Erde, desMondes und der Venus gefunden zu haben, die vornehmlich darinbestand, dass die grössten und höchsten Berge auf ihren südlichenHemisphären Vorkommen und dass die Berghöhen der Venus sichzu denen des Mondes verhalten, wie der Venushalbmesser zu demHalbmesser des Mondes. Für unsere Erde ist aber schon langenicht mehr die Meinung vorhanden, dass die grössten und höch-sten Berge auf der südlichen Halbkugel sich befinden, da derDawalaghiri höher als der Chimborasso ist.
Sobald diese Beobachtungen und ihre Resultate in Englanddurch die Transactions phil. v. 1792 bekannt wurden, so sah sichW. Herschel hierdurch zu der Antwort veranlasst: „dass es ihmnicht beschieden wurde, solche seltene Entdeckungen zu machen,man sollte dieses aber weder der schwachen Vergrösserung seinerInstrumente, noch einem Mangel an Aufmerksamkeit oder Eiferzuschreiben.“ Wichtiger war indess Sch röte r’s treffliche Ent-deckung des Dämmerungbogens der Venusatmosphäre, der als