100 DIE FLECKEN AUF DER OBERFLÄCHE DER VENUS.
dunkeler Streifen längs der Erleuchtungsgränze dieses Planetenin den verschiedenen Phasen sich hinzieht, und die auch vonW. llerscliel bestätigt wurde. In Bezug auf die Entdeckung dererwähnten Berghöhen macht Arago folgende Bemerkung: „LeMemoire d’Herschel de 1793, etait, au fond, une critique fort vive,et, en apparence du moins, quelque peu passionnee du travail deSchröter. Sur le fait, cependant, de l’existence de la lumieresecondaire ä l’aide de laquelle nous pouvons apercevoir plus de180 degres du contour de Venus, Herschel rendit complete justiceä l’astronome de Lilienthal.“
Nach einer Stelle zu urtheilen, die S. 190 in den Aphro-ditischen Fragmenten vorkommt, scheint Schröter die Fleckenfür Wasserbehälter zu halten, denn er sagt: „Die Oberfläche derVenus dürfte also nach der Beschaffenheit ihres Dunstkreises eineim Allgemeinen vom Monde sehr verschiedene, mehr der Erdflächeähnliche Anlage, und so wie diese beträchtliche Fleckenstrichehaben, welche für eine solche Atmosphäre auflösbare Bestandtheileenthalten.“ Ueber die seltene Sichtbarkeit derselben sagt er aneiner andern Stelle: „Auch Cassini und Bianchini, die doch alsunermüdete Beobachter bekannt genug sind, nahmen in so vielenBeobachtungsjahren um das Jahr 1666 und 1667, und Letztererbloss in den Jahren 1726, 1727 und 1728, und zwar sehr wenigFlecken wahr. Auch sie beobachteten sie nur mit grosser Mühe,und wahrscheinlich ebenso schwach und nebelähnlich, undeutlichund unbegränzt, weil sonst die Resultate daraus gewiss mehr Be-stimmung und nicht einen so auffallenden Widerspruch ergebenhätten. — Man kann es Bianchini verzeihen, dass er die beob-achteten Flecken sowie die im Monde als landschaftliche Schat-tirungen betrachtete und ihnen in seiner Celidographie Namenbeilegte. Auch hat Herr Dr. Herschel Flecken von gleicher Be-schaffenheit wahrgenommen, so dass die Sache keinem Zweifelunterliegt. Siehe dessen Observations on the Planet Venus in denPhilos. Transactions von 1793.“
Nach Verlauf mehrerer Jahre der sorgfältigsten Unter-suchungen über die Weltkörper in unserm Sonnensysteme beob-achtete Schröter eine Erscheinung, die bereits Lahire 1700 undauch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts Flaugergues be-merkt hatte; diese bestand darin, dass das südliche Horn derVenussichel oft seine Gestalt ändert, oder stumpf erscheint, selte-ner kam diese Veränderung am nördlichen Horne vor. Der Ver-fasser der Aphroditographischen Fragmente erklärt dieselbe durchdie Schatten hoher Berge veranlasst, die jene Spitzen verdunkeln.