106 DIE FLECKEN AUF DER OBERFLÄCHE DER VENUS.
der sich in der Nachtseite des Planeten befand, jenen Theil dersüdlichen Phase bedeckte und eine schmälere Phase darstellte.
Noch eine merkwürdige Wahrnehmung theilt uns S c h r ö t e r mit,wodurch er zu der Meinung veranlasst wurde, dass die Venuskugelkein regulärer Körper sein könne, da er sonst keine Erklärungdieser sonderbaren Beobachtung geben könnte, es waren die vonihm wahrgenommenen Unregelmässigkeiten des äussern Randesder Venus. Auch ein zweiter aufmerksamer Beobachtei-, Pluth, saheben dasselbe, so dass auch hier keine Täuschung vorliegenkonnte. Dieser letztere Gelehrte erklärte jene gesehenen Unregel-mässigkeiten, wie bereits früher berichtet wurde, für eine wahr-scheinliche Abplattung des Planeten. Nimmt man dagegen an,dass die Ränder der Venus und ihres Begleiters von der Erde ausgesehen sich an jener Stelle, wo die Unregelmässigkeit am Randesichtbar war, berührten und der Trabant vor dem Hauptplanetenstand, so war ein kleiner Theil seiner dunkeln Scheibe hinläng-lich, durch seinen Eintritt in die helle Planetenscheibe jene Er-scheinung zu bewirken. So lässt sich auch diese sonst unerklär-bare Unregelmässigkeit des kreisrunden Randes der Venus sehrgut erklären.
Die für ihre Zeit merkwürdigen Entdeckungen der dunkelenund hellen Flecken auf der Oberfläche des uns am nächstenstehenden untern Planeten waren wohl der Beweggrund, dassausser Fontana und Cassini, den ausgezeichneten Beobachternihrer Zeit, denen wir mehrere der wichtigsten Aufschlüsse überunser Sonnensystem verdanken, noch einige Astronomen die Venuszum Gegenstände ihrer Beobachtung machten.
Als Lahire an der südlichen Sichel dieses Weltkörpersdunkele Flecken sah, so hielt er sie für die Schatten von hohenBergen, eine Meinung, die auch von der Pariser Akademie adoptirtwurde. Es war dieses eine der merkwürdigsten Wahrnehmungen,die im letzten Jahre des siebenzehnten Jahrhunderts gemachtwurde, denn man ging damals schon auf die Schlussfolge aus,dass die südliche Hemisphäre der Venus sehr hohe Gebirge zeige.Diese bis dahin angestellten Beobachtungen standen indess ver-einzelt da, es mussten demnach noch andere Bestätigungen folgen,die nur durch besondere, mühsame Wahrnehmungen einige Jahrehindurch erreicht werden konnten. Es war dieses eine schwereAufgabe, zu deren Lösung nicht jeder Astronom seine durchanderweitige Beobachtungen in Anspruch genommene Zeit opfernwollte. Denn der aufmerksame Beobachter musste eigentlich nurausschliesslich diesem Planeten allein seine Teleskope zuwenden