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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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107
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DIE FLECKEN AUF DER OBERFLÄCHE DER VENUS, 107

und dieselben mussten auch zu den vorzüglichsten seiner Zeit ge-hören. Dieses Zusammentreffen der beiden Haupterfordernisserindet sich zu allen Zeiten und unter allen Zonen sehr selten bei-sammen.

Die grossen Astronomen, Galilei, Cassini, Hevel undHerschel, wären uns nicht bekannt geworden, trotzdem, dasssie durch ihre gleich ausgezeichneten Talente und Unermüdlich-keit sich vor ihren Zeitgenossen auszeichneten, wenn sie nicht indem Besitz ausgezeichneter Fernröhre und sonstiger astrono-mischer Instrumente gewesen wären. Aber es gab auch Beob-achter, die ungeachtet ihrer seltenen Teleskope doch keine beson-dere Entdeckungen gemacht haben, denen die Wissenschaft keinenFortschritt verdankt, eben weil es ihnen an der nöthigen Anstren-gung und vielleicht auch an dem zur Beobachtung nöthigen Zeit-aufwande gebrach.

Einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit war FrancescoBianchini in Rom, der mit den ausgebreitetsten Kenntnissen inden verschiedenen Wissenschaften ausgestattet auch genaueastronomische Beobachtungen anstellte, weshalb er sich auch derGunstbezeugungen der Päpste Alexander VIII. und Clemens XI.zu erfreuen hatte. Ausser dieser seltenen Gelehrsamkeit war erauch als talentvoller Zeichner bekannt, da er als Alterthums-forscher viele alte Denkmäler gezeichnet hatte. In den Jahren1726, 1727, 1728 beschäftigte er sich mit den Beobachtungen derVenus, die er mit sehr langen Campanischen Fernrohren von 105bis 205 römischen Palmen Brennweite anstellte und in seinemWerke: Hesperi et Phosphori nova Phaenomena veröffentlichte.

Seine Untersuchungen betrafen die Flecken und die Rotationdieses Planeten, die bis dahin noch von keinem Astronomen ineinem so langen Zeiträume ununterbrochen beobachtet waren. Erzeichnete die Flecken dieses Weltkörpers nach seinen Beobach-tungen sehr sorgfältig ab, und, wie bereits mitgetheilt, fand deVicodieselben Gestalten und Formen bei seinen Beobachtungen imJahre 1841 wieder. Ueber die von ihm gefundene Rotationszeitder Venus sowie über seine Bestimmung der Lage des Nordpolsdieses Planeten über der Ebene der Ekliptik werden wir noch inder Folge Gelegenheit haben das Nähere mitzutheilen.

Nur wenige Beobachter können sich rühmen, so genaue undso sorgfältige Beobachtungen angestellt zu haben, wie Bianchini,dessen schätzbare Wahrnehmungen für alle Zeiten ihren Werthbehalten werden.