108 DIE FLECKEN AUF DER OBERFLÄCHE DER VENUS.
Lange war die gelehrte Arbeit Francesco Bianchini’s überdie Beobachtung der Flecken der Venus die einzige, welche diebesten Untersuchungen über diesen Planeten enthielt, bis imJahre 1779 der braunschweig - lüneburgische OberamtmannIlieronimus Schröter in Lilienthal, einem unweit Bremen ander Wörpe gelegenen Dorfe, Beobachtungen über diesen Planetenmit einem dreifüssigen, achromatischen Fernrohre anstellte. Warauch der Anfang klein, so versprach er doch bedeutend grössereErfolge zum Nutzen der Wissenschaft, die früher oder später zubedeutenden Entdeckungen führen sollten. Mit diesem In-strumente setzte er seine Beobachtungen bis zum Jahre 1784 fort,ohne viel von denselben zu veröffentlichen. Er hatte sich aber indieser Zeit mit dem Gegenstände seiner Beobachtung so vertrautgemacht, dass er wohl die Nothwendigkeit grösserer optischerHilfsmittel dazu als wünschenswerth anerkannte. Von 1784 bis1786 beobachtete er mit einem vierfüssigen Spiegelteleskope, dochbemühte er sich, noch grössere Instrumente dieser Art zu besitzen,um eine ununterbrochene Reihe von Beobachtungen über dieFlecken, die Höhen der Berge, die Atmosphäre und die physischeOrganisation der Venus anzustellen. Dieselbe sollte mit demJahre 1788 beginnen, als er mit zwei Schrader’sclien Ileffectorenvon 7 und 13 Fuss versehen war, zu denen später noch ein schönesSpiegelteleskop von 27 Fuss hinzukam. Die sehr genauen Wahr-nehmungen und mikrometrischen Messungen in Bezug auf diesenPlaneten veröffentlichte er in dem bereits vielfach genanntenWerke: „Apliroditographische Fragmente“, deren Beobachtungendie Bianchini’s nicht nur durch die ununterbrochene vieljährigeReihe der Beobachtungen, sondern auch durch die Sorgfaltder Zeitbestimmung einer jeden einzelnen übertreffen. In 81 Ab-bildungen der Venusphasen werden durch eine sorgfältige Zeich-nung die verschiedenen Entdeckungen und Beobachtungen dar-gestellt, die in ihrer Ausführung nichts zu wünschen übrig lassen.Diese schätzbare Arbeit ist in ihrer Art den mühsamen Beobach-tungen Piazzi’s, Lalande’s, Bessel’s und einiger anderen Astro-nomen über die Positionen der Fixsterne gleichzustellen, denn siezeigt wahrheitsgetreu die kleinsten Details des Planeten Venus injener Zeit. Die Beobachtungen fangen mit dem 28. Februar 1788an und enden den 19. März 1795, mithin konnte der unermüdeteAstronom vieles wahrnehmen, was bis dahin kein menschlichesAuge sah. Sollte in ferner Zeit einst ein Beobachter mit ebendenselben oder mit noch besseren Instrumenten ausgestattet seineUntersuchungen demselben Planeten zuwenden, so wird er, wenn