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BEDECKUNGEN DER VENUS VOM MONDE.
aufmerksamer auf dieselbe, da sie nur selten wahrgenomnien werdenkönnen. Oft erfolgte nicht eine wirkliche Bedeckung, sondern nureine sehr nahe Zusammenkunft des Planeten mit dem Monde, aberhäufiger ereignete es sich, dass ekliptische Erscheinungen dieserArt nicht in Europa, sondern nur in anderen Welttheilen, wokeine Sternwarten vorhanden sind, wahrgenommen werden könn-ten, wodurch ihre Beobachtungen unausführbar wurden. Ebenfallskann man auch annehmen, dass ein grosser Theil dieser seltenenBedeckungen durch trübe Witterung verloren ging, wodurch dieseltensten Beobachtungen eingebüsst wurden. Nur auf solcheWeise ist es erklärbar, wie von den Bedeckungen der Venus vomMonde nur wenige in den Jahrbüchern der Himmelskunde alswirklich beobachtete verzeichnet sind.
Aus den frühesten Jahrhunderten vor unserer Zeitrechnungsind von solchen Berichten über die Zusammenkunft des glänzend-sten Planeten am Himmel mit dem Monde keine anzutreffen, ob-gleich von weniger bedeutenden Verfinsterungen dieser Art dochbisweilen in alten Schriftstellern Erzählungen Vorkommen. Nurist zu bedauern, dass denn öfters diejenigen Umstände gänzlichfehlen, die das Wesentliche der Sache ausmachen. Es kostet dannnicht selten grosse Mühe, die Wahrheit des Berichtes von son-stigen Täuschungen und bisweilen von anderen fremdartigen Be-schreibungen zu trennen. So berichtet Aristoteles von einerBedeckung des Mondes Folgendes: „Lunam enim vidimus, cumbifariam ita divisa esset, ut altera ex parte obscuraretur, ex alteraluceret, sensim congredi cum stella, quae Martis dicitur, et eamquidem, cum obscura illius parte occupata fuisset, ex parte illiuslucida emergere“ (De coelo II. Buch, 12. Cap.). Diese Beobachtungführt Aristoteles als Augenzeuge an, ohne die Zeit derselbenanzugeben. Wie schwer es ist, aus einer solchen Angabe etwasNäheres zu erfahren, da nichts erwähnt wird, das einigermaassenals Anhaltspunkt dienen könnte, wird leicht begreifbar. Nureinem seltenen Manne wie Kepler wurde es möglich, eine genaueBestimmung der Zeit dieser Erscheinung durch seine Berech-nung zu ermitteln, denn er fand, dass diese Bedeckung sich imdritten Jahre der 105. Olympiade oder im Jahre 357 den 4. Aprilv. Chr. Geb. in der Nacht ereignet habe. Aus diesen Daten gehthervor, dass damals Aristoteles sich im Alter von 21 Jahrenbefand und nach Laertius’ Bericht den Eudoxus hörte.
Man findet in der Geschichte die sonderbarsten Entstel-lungen, denn wie oft bezeichnete man nicht Venus zur Zeitihres grössten Lichtes als einen Kometen, der bis dahin noch