156 BELEUCHTUNG DER NACHTSEITE DER VENUS.
Wenn bei einem so bekannten Phänomen, wie das hier er-wähnte, so verschiedene Erklärungen versucht wurden, so dürfenwir uns nicht wundern, dass die Ursachen des secundären Lichtes !der Venus ebenfalls nicht gleich gefunden wurden und verschie-dene Astronomen dafür ihre eigenen Ansichten hatten. Denn inder Tliat' bietet diese Erscheinung für eine naturgemässe Deutungihrer Ursachen noch grössere Hindernisse dar, als jene, vor derbereits ein langer Zeitraum eine Menge Beobachtungen gesammelthatte, die alle unter sich verglichen werden konnten. Es giebtaber für unsern Fall deren sehr wenige und es fehlt hier ein ricli- itiger Anhaltspunkt, der bis jetzt unbekannt, dennoch nur alleinzum richtigen Erkennen der Ursache leitet.
Als im Jahre 1793, wie oben bemerkt, v. Hahn sich an Bodewandte und um eine Erklärung der Sichtbarkeit des secundärenluchtes der Venus bat, fügte er hinzu: „Ich bin überzeugt, dassdieselben mich nicht so verstehen, als wenn ich dies matte Lichtentweder einer Erleuchtung von der Sonne oder einem retlectirtenErdlichte beimessen könnte, da diese Erklärung ganz wegfällt, sobleibt nur, wenn sonst nicht etwas Wahres bei dieser Beobachtungzum Grunde liegen sollte, Ein — Gedanke übrig, der allerdingsdie grösste Aufmerksamkeit verdient.“ Der Berliner Astronomantwortete hierauf: „Ich vermuthe nämlich, dass der Zerstreuungs- jkreis der lebhaften Lichtstrahlen der Venus diese Erscheinunghervorzubringen vermögend sei.“ Dieses ist wohl die erste Er-klärung, die von dieser seltenen Erscheinung bekannt ist, wiewenig sie aber den damaligen Gelehrten als die richtige galt, gehtaus einer andern hervor, die Schröter bei Gelegenheit der eige-nen Beobachtung gab.
„Am Tage der hiesigen Beobachtung, den 14. Februar 1806,sagt Schröter, betrug der scheinbare Durchmesser der Venusgegen 48" und erschien nur etwa Dg erleuchtet, dennoch warfenin das dunkele Zimmer der Sternwarte die Stäbe und das Blei desFensters auf der grauen Tapetenwand von ihrem Glanze einensehr deutlichen Schatten. Daher ist es immer möglich, dass dieauf der Venus etwa 50" gross erscheinende Erde dort 7 / a er-leuchtet, etwas Licht auf die Nachtseite der Venus reliectirte.Unterdessen gestehe ich, dass mir solches allein für die Sichtbar-keit der dunkeln Venuskugel keineswegs hinzureichen scheint.
Der Dr. Herschel lässt es sogar bei des Mondes Nachtseiteunentschieden, ob deren aschgraue Farbe nicht eigenthümlichesLicht sei, und ob nicht überhaupt alle Planeten ein schwacheseigenthümliches Licht haben. Wenn es mir nun gleich ausgemacht