BELEUCHTUNG DER NACHTSEITE DER VENUS. 157
zu sein scheint , dass das Licht der Nachtseite des Mondes wenig-stens grösstentheils von der dort viermal grösser als hei uns derMond sich zeigenden Erde reüectirt wird: so hat uns doch derKomet von 1799 und der zweite von 1805 belehrt, dass dunkeleWeltkörper nach dem Verhältniss ihrer Masse und anziehendenKraft bis auf eine verhältliche Entfernung ätherische Theile ansich ziehen, welche zu Licht modificirt werden. Wahrscheinlicherist also beides zugleich die Ursache solches matten Lichtes.Vielleicht findet auch in dem eigentümlichen Lichte dieses Plane-ten ein zufälliger Wechsel von stärkerm und schwächerm Lichtestatt.“
Was die Sichtbarkeit der Nachtseite der Venuskugel bewirkt,beantwortet Har ding auf folgende Weise:
„Wenn wir den dunkeln, von der Sonne ahgewendeten Tlieilder Mondsscheibe wahrnehmen, so zweifelt Niemand daran, dassdiese Erscheinung von reflectirtem Lichte der Erde herrühre;allein, sollte die Erde auch wohl der Venus so viel Licht zusendenkönnen, dass dadurch ihre ganze Nachtseite aus einer so ansehn-lichen Ferne noch sichtbar werden könnte? — Es ist wahr, dasLicht, welches Venus unserer Erde zuschickt, ist lebhaft genug,um seihst den Schatten der ihr entgegenstehenden Körper sicht-bar zu machen, und zwar zu einer Zeit, wo ihre von der Sonnebeleuchtete Halbkugel nur etwa bis zum achten Theile von derErde aus sichtbar ist, wie es am 24. Januar 1806 der Fall war.Hie Erde, damals bis auf 7 / 8 ihrer erleuchteten Scheibe von derVenus aus sichtbar, müsste diesem Planeten, ohnerachtet dasSonnenlicht bei uns nur halb so stark ist, dennoch heller er-scheinen, als wir ihn sahen, wenn anders die dichte Erdatmo-sphäre hierin keine Aenderungen machen sollte. Allein müsstenicht, wenn refiectirtes Erdenlicht die Sichtbarkeit der dunkelnVenuskugel bewirkte, diese Erscheinung eben so oft Vorkommen,als dieser Planet in eine ähnliche Lage gegen Erde und Sonnekommt? Hiervon sagen uns aber auch die fleissigsten Beobachterder Venus nichts, denn was einst der Graf v. Hahn wahrnahm(siehe die vorige Mittheilung), scheint nicht ganz mit den obenbeschriebenen Wahrnehmungen überein zu kommen.“
„Ich bin daher geneigt, dieses dämmernde Licht in der Nacht-seite der Venus für die Wirkung einer Phosphorescenz zu halten,nach welcher dieser Planet aus seinem Körper so viel Licht zuentwickeln die Fähigkeit habe, dass dadurch seine in der Nachtliegende Halbkugel, selbst aus einer so ansehnlichen Ferne, nochsichtbar werden könne.“