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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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158 BELEUCHTUNG DER NACHTSEITE DER VENUS.

Bei dem gegenwärtigen Zustande unserer Kenntnisse dürftesich wenigstens die Unmöglichkeit einer solchen Phosphorescenzwohl nicht geradezu erweisen lassen, da wir wissen, dass dieEigenschaft, Licht zu entwickeln, sowohl bei einzelnen Körpernunserer Erde, als auch höchst wahrscheinlich bei der Erdkugel imGanzen stattfindet. Das helle dämmernde Licht, welches man inmondlosen Nächten oft bemerkt, und wobei entfernte Gegenständenoch mit ziemlicher Deutlichkeit erkannt werden können, ist wahr-scheinlich nichts anderes, als eine solche temporäre Phosphor-escenz unserer Erde.

Ich habe es selbst vor einigen Jahren bereits gewagt, dasmatte röthliche Licht des Mondes während seiner totalen Ver-dunkelung ebenfalls zum Theil aus einer solchen Phosphorescenzzu erklären, und finde noch keinen Grund diese Meinung aufzu-geben, vielmehr wird sie mir noch immer wahrscheinlicher, daseitdem Herr Justizrath Schröter auch den so rätliselliaften Nebelund Schweif der Kometen für das Erzeugniss einer solchen plios-phorescirenden Eigenschaft dieser Weltkörper zu halten geneigtist; eine Hypothese, welche den Beifall mehrerer unserer bestenPhysiker und Astronomen erhalten hat.

Eine überzeugendere und naturgemässe Erklärung dieses sel-tenen Phänomens findet sich in H. Kleins Handbuch der Astro-nomie, S. 69.Nimmt man nicht an, sagt der Verfasser,dassgerade sämmtliche Theile der Venusatmosphäre jenes Licht(nämlich das secundäre Licht der Nachtseite der Venus) er-zeugen, was jedenfalls unwahrscheinlich ist, sondern dass derphosphorische Schein vielmehr in den tieferen Theilen oder an derPlanetenoberfiäche selbst entsteht, so muss die Helligkeit gegendie Ränder der Scheibe hin für unsern Anblick abnehmen, indemwir schief gegen jene Theile der Oberfläche blicken und der Licht-strahl, der von dort in das Auge des Beobachters gelangt, einensehr viel grossem Weg durch die Venusatmosphäre zu laufen hat,und folglich eine grössere Exstinction erleidet, als ein vom Mittel-punkte ausgehender Strahl.

Wäre dagegen keine Venusatmosphäre vorhanden, so würdeder Rand der Scheibe eben so hell wie der Mittelpunkt erscheinen,weil der Visionsradius in dem nämlichen Verhältnisse mehr mate-rielle Punkte umfasst, als das schief emanirende Licht geschwächterscheint.

Wird aber ein von einer Atmosphäre umhüllter Planet vonaussen erleuchtet, so muss, wenn jene Dunsthülle nicht das Lichtwie eine dichte Nebelschicht absorbirt, der Rand der Planeten-