BELEUCHTUNG DER NACHTSEITE DER VENUS. 159
scheibe um ein Gewisses heller als der Mittelpunkt erscheinen.Dies findet nun bei dem secundären Lichte der Venus in der Thatstatt, indem die Beobachter des Phänomens den Rand derPlanetenscheibe sich scharf vom Himmelsgrunde abheben sahenund v.Hahn, der einige Male nur einen kleinen Theil der Scheibeerblickte, ausdrücklich erklärt, in anderen Fällen den Rand be-stimmt heller als die Mitte der Scheibe gesehen zu haben*). Esereignet sich sonach, bloss auf optische Behauptungen gestützt,der Schluss, dass jenes eigenthümliche Licht in der Venus Nacht-seite wahrscheinlich nicht einer Phospliorescenz des Planeten zu-zuschreiben ist, sondern vielmehr, dass es der Reflex einer Be-leuchtung durch einen andern Weltkörper ist.“
Diese Behauptung Klein’s wird vollständig bewiesen durchdie von uns mitgetheilten Beobachtungen des Andreas Meier inGreifswalde, Schröter’s in Lilienthal, Harding’s in Göttingen,die sämmtlich einstimmig in ihren Mittheilungen berichten: „derRand des Planeten war scharf auf dem Himmelsgrunde sichtbar.“„Die im Jahre 1859 von J. Rheinauer angestellten Unter-suchungen unter der Voraussetzung, dass die Erde die Nachtseiteder Venus erleuchte, ergaben als Resultat, dass dieses secundäreLicht der Helligkeit eines Sternes der dreizehnten Grösse gleichsei. Diese Beleuchtung wird selbst unter den günstigsten Um-ständen kaum zu der Grösse eines Sternes der zehnten Grösse ge-langen, welches immer eine sehr grosse Lichtschwäche voraussetzt.“„Die Beobachtung des Phänomens geschah aber sowohl desi Mittags als auch in der Dämmerung; wäre es aber möglich, miteinem 16Rissigen gewöhnlichen Fernrohre, mit dem Kirch das-selbe wahrnahm, bei Tage einen Stern der zehnten Grösse zubeobachten, da selbst der Dorpater Refractor nur in seltenenFällen bei Tage einen Stern der neunten Grösse zeigt. Es ist alsonicht reflectirtes Erdlicht die Ursache des secundären Lichtes (wiedieses selbst die von Winnecke aufgefundene Beobachtung inD er h am’s Schriften beweist), sondern dasselbe wird erzeugtdurch einen den Planeten umkreisenden Mond.“
Alle diese Bemerkungen Klein’s sind so überzeugend, dasses sehr schwer sein würde, sie durch andere Gründe zu wider-legen, denn dieselben sind aus den Beobachtungen selbst entlehnt;es sind keine Muthmaassungen, wie man bisweilen solche zur Er-klärung der uns gänzlich unbewussten Ursache aufstellt, sondern
*) S. Riccioli’s Ausdruck eines feinen Lichtringes am Bande derNachtseite, S. 145.