2
der Natur, welche zum Schirm der neugegründeten Stadt nöthig erschienen, kaum 40 Jahre nach ihrer Erbauung vonihren Feinden zum eigenen Schutze gewünscht und benutzt. Da Bern damals, wie heutzutage, hauptsächlich aus dreiparallelen Straßen, welche sich von Osten nach Westen ziehen, bestand, so wurde die Brücke, wie früher schon dieFähre, in der Richtung dieser Straßen angebracht.
So wie die Stadt allmälig zum Haupte eines nicht unbedeutenden Staates heranwuchs, so fühlte man dieSchwierigkeiten ihrer Zugänge täglich mehr, und zwar wurden dieselben um so empfindlicher und drückender, je mehrdie industriellen und kommerziellen Verhältnisse der Staaten in den Vordergrund traten. Zwar hat Bern, abgesehenvon den Schwierigkeiten seiner Zugänge, eine Lage, welche ihm keine gegründete Hoffnung auf einen bedeutendenTranstthandel gibt; dagegen hat es als Hauptstadt eines reichen und blühenden Kantons von mehr als 400,000Einwohnern einen sehr bedeutenden innern Verkehr, welcher bei dem guten Zustand der Landwirthschast und demwachsenden Wohlstände seiner Bürger in stetem Zunehmen begriffen ist. Aus dieser Ursache suchte die Regierung schonim Laufe des vorigen Jahrhunderts nicht bloß die höchst beschwerlichen Zugänge, sondern auch die Hauptstraßen desKantons, welche meistens Gefalle von 15—20 prCt. hatten, zu verbessern. Wenn bei diesen Bauten mehr auf geradeLinien und eine bedeutende Breite der Straßen, als auf günstige Gefällsverhältniffe Rücksicht genommen wurde, sotragen wohl alle Arbeiten jener Epoche mehr oder minder diesen Charakter. Indessen, da hiemit die größten Uebelständebeseitigt, und namentlich die Oberfläche der Straßen in einen sehr guten Zustand gebracht und darin unterhaltenwurde, so verschaffte ihnen dieses einen guten Namen in der Schweiz. Zur Erleichterung des höchst beschwerlichenEinganges in die Stadt wurde der Stalden beim Anfang der Gerechtigkeitsgaffe bedeutend abgegraben, und auf dieseArt sein Gefälle etwas ausgeglichen, was jedoch keineswegs genügte, da immer noch eine Steigung von mehr als10 PrCt. blieb, welche trotz der fleißigsten polizeilichen Aufsicht dennoch von Jahr zu Jahr zu häufigern Klagen undUnannehmlichkeiten Anlaß gab. Ungefähr zu gleicher Zeit wurde außerhalb der Stadt der sogenannte Aargauerstalden(in beigebundener Uebersichtskarte mit w bezeichnet) mit bedeutendem Kraft- und Kostenaufwand hergestellt. Die alteStraße, das sogenannte Haspelgäßlein, hatte Gefälle von mehr als 16 prCt., so daß schwere Lastwagen vermittelsteines Haspels an Stricken hinaufgezogen und herabgelassen werden mußten. Im Jahre 1749 wurde die Korrektiondieser Straße unternommen und erst im Jahre 1758 zu Ende gebracht. Mit großer Mühe wurde die neue Anlage indie steile Berghalde eingeschnitten. In Betreff der Breite und des schönen erhöhten Fußpfades, der durch Linden- undPlatanenbäume geschützt nnd geziert wird, läßt diese Straße auch jetzt noch nichts zu wünschen übrig, obwohl einetwas geringeres Gefälle (dasselbe beträgt noch fast 7 prCt.) ihr sehr zu statten käme. Die Kosten dieses Bauesbeliefen sich auf 202,000 Schweizerfranken. Wie sehr diese wirklich schöne Anlage zur Zeit ihrer Erbauung auf allgemeineAnerkennung Anspruch machte, erhellt aus folgender auf dem Kulminationspunkte auf einer großen Granitplatteangebrachten Inschrift:
Oivibu8 ot kereArim8Oratum Opu8kaliota Veteri Viaker 4,06g kreoruptuOus diaturs dleffuraVilledutnrIter
kueluw äckgue älunitumInoeptum UVL64^k8olutuin NVLdVIII
Vom Jahre 1779 bis 1786 wurde unter der Leitung des Herrn Ant. Maria Mirani auch der sogenannteMuristalden 1, welcher nach dem Oberlande und dem Emmenthale führt, auf ähnliche Art wie der Aargauerstaldenverbessert. Das Gefälle wurde von 12 und mehr prCt. auf 6^/^ prCt. gebracht. Hiefür verwendete der Staat, nebstfreier Lieferung von Holz und Stein und den bedeutenden Frohnleistungen des Zuchthauses, die Summe von44,000 Schweizerfranken. Aber durch alle diese Bauten wurde das tiefe Thal, welches sich zwischen der Stadt undihren Umgebungen befindet, weder beseitigt noch in seiner Tiefe verringert. Wenn auch die unerträglichen Gefällevermindert wurden, so zeigte doch die äußerst mühsame, oft selbst gefährliche Einfahrt in die Stadt, so wie diebeträchtliche Kontrependenz, daß alle diese Verbesserungen nicht genügen. Immer mehr wurden Stimmen laut, esmöchten die obwaltenden Uebelstände durch eine großartige Brücke gänzlich beseitigt werden. Doch wollte sich Niemandan dieses kolossale, allzu kostspielige Werk wagen, bis Herr alt Schultheiß v. Lerber den Gedanken auffaßte und ihnseiner Verwirklichung bedeutend näher brachte. Unstreitig hat sich Herr v. Lerber durch seine daherige, mit Opfernverbundene Bemühung und Anstrengung bedeutende Verdienste um seine Vaterstadt erworben.