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Der vollkommene teutsche Soldat, welcher die gantze Kriegs-Wissenschafft, insonderheit was bey der Infanterie vorkommt, ordentlich und deutlich vorträgt, und in sechs besondern Theilen die einem Soldaten nöthige Vorbereitungs-Wissenschafften, Künste und Exercitia, die Chargen und Verrichtungen aller Kriegs-Bedienten, von dem Mousquetier an bis auf den General; ... nebst einem Anhange von gelehrten Soldaten, Adel und Ritter-Stande, von Duellen, Turnier- und Ritter-Spielen, auch Ritter-Orden ec... / von Hannsz Friedrich von Fleming
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Des ersten Theils neuntes Lapltel

einigeWochen mitdenLcKolaren practicivtworden,und man ist genungsam versichert,er werde nicht von Pferde herunter fallen,fo wird allmählich zu dem Or,!oxpiren ge-schritten. Zu Anfang nimmt man in einerziemlichen Weite einen sanfftenOalop umden kille? rechts und lincker Hand vor.Soll das Pferd still halten und pariren,halt man mit der Spießruthe ein wenigvor der Brust, und man ziehet den Zügeldurch die kincke Faust etwas an, man caris-siret das Pferd mit der Hand an Halß,klopft es, und last ihm durch den Knecht ei-ne Hand voll Hafer geben; Denn foweißes, daß es feine Lection recht gemacht.

§.5. Soll das Pferd rechts oder lincksimSchritt,im Trab oderOalop gehen,mußman alle zeit den eusersten Schenckel undWaden des Fußes an desPferdes Leib feinanhatten, um es gleichsam hiedurch anzu-mahnen. Die Spießruthe wendet manvor des Pferdes eusserstes Auge, um sichdestveher zu wenden, den innern Schen-cke! halt man abwerts,nach voriger Positur,öhne sonderbähre VerrückUng der Faustund des Ziegels; Anfdiese Manier kan einjunger Herr nach der Beschaffenheit seinerf apacire ein Jahr oder was, durch Hülffeder Corde tmfc des Cavezzons, den Schritt,Trab oder Galop mit unverrückter Positurreiten, und zwar ohne Spohren undSteigbügel. Sind der Leib, die Schen-ckel und Füsse durch diestarcke Motion er-schütteltmno zum starcken Wachsthum be-weget worden, so werden ihm alsdenn bil-lig die Steigbügel erlaubet, alsdenn kan erhernach die erstern Lectiones vor sich selbstohne Corde und killsr nach dem Schritt,Trab und Galop vornehmen, biß er endlichdie Spohren gebrauchen kan.

§. 6. So viel halt ich vor einen jungenCavalier, der einen Officier abgeben will,aenung zu seyn, um sein Pferd nach Sol-daten Manier mit den Schenckel und derFaust vor dem Feind,oder in einer Rencon-rre rechts und lincks herum zu tummeln,und sich mit den Degen und der Pistohldarauf zu desendiremDie Carera oder dasÜberspringen über einen Graben, oderZaun mit demPferde ist zwar auch nicht zuverwerffen, denn es hat bißweilen in derRetirade, um sein Leben mit der Flucht zu!viren,oder im Nachhauen,wen man demFeinde nachsetzet, seinen Nutzen; Jedochkan dieses ein schlechtes Pferd und gemei-ner Reiter offt besser verrichten, als derkünstlichste Reiter mit seinenSchul-Pfer-

de. In der Angst werden auchMenschenund Thiere zu einer besondernGeschicklich-keit angetrieben, diesie sonst nicht würdengehabt haben, und man waget alsdennbißweilen einen Sprung, den man sonstgewiß unterwegens gelassen hatte.

§. 7. Soll aber unser junger Cavaliersich bey großer Herrn Höfen mit Qum«maund Ringrennen von einen gemeinen Ret-ter distinguireit, so muß hierzu ein besonde-rer Fleiß angelegt, und diese Geschicklich-keit durch eine gute Übung erlanget wer-den. Im Ringrennen Muß dasPferd eineschnelle, doch stete und sanffte Csrera lau-fen,und dieLantzen-Spitze muß gegen desPferdes rechtes Ohr geneiget seyn. Diemittlern, doch Hengstmäßigen Pferde die-nen am besten hierzu; Denn die kleinenKlepper werden nicht passrret. Die Lan-tze, dienach der Größe und Proportion desReiters eingerichtet, setztman erstlich infortreiten mitten auf den rechten Ober-schenckel, die beyden Ellbogen aber haltman nicht gar zu nahe an den Leib;alsdennkehret man die Spitze ein wenigVorwerksgegen des Pferdes linckes Ohr, hebt dieLantze ein paar Finger hoch von Schen/ckel, jedoch unvermerckt, auf,und reitet miteiner halben Volta terie a terre in dieRenw

Bahn ein. Einige wollen, hundertSchritkin die Lange sey zum Ringe genung, undZo. Schritt zum pariren, für abgerichtetePferde aber erforden sie 8 a Schritt in dieLange, und 20. zur karade.Der Ring mußein wenig über das lincke Augen-Brahmerhaben seyn, weil sich das Pferd inlauffen allezeit erniedriget.WirdderRinghöher gehangen,ist er schwerer zu treßen-Fangt der Reiter anzusprengen, so hebeter die Lantze in demStand,wie sie istchertfhasst empor, beweget aber nichts andersals den Arm, und nicht den gantzen Leib'DieHand halt er gerade gegen dem rechtenOhr über,ooch weder zu weit,noch zu nahebey dem Gesichte. Lausst er also zehn oderzwölffSchritt, muß er die Lantze nach unvnach mit einey rechten Tempo niederstescken, die Faust wieder an vorigen Playbringen, und alsdenn den Ringel gerade znrennen,die Leuade machen, so bald er vo^bey, und der Lantzen Sprtze gerade genHimmel aufrichten, auch imAufhebendenArm ein wenig aufrecht halten, dochd^mans nicht sonderlich mercle, und nackS^hends mit einer halben Volri pariren. Suhet nun das Pferd stille, und kommt ausAder Bahn, setzt er dieLantze wie vorhin^