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Der vollkommene teutsche Soldat, welcher die gantze Kriegs-Wissenschafft, insonderheit was bey der Infanterie vorkommt, ordentlich und deutlich vorträgt, und in sechs besondern Theilen die einem Soldaten nöthige Vorbereitungs-Wissenschafften, Künste und Exercitia, die Chargen und Verrichtungen aller Kriegs-Bedienten, von dem Mousquetier an bis auf den General; ... nebst einem Anhange von gelehrten Soldaten, Adel und Ritter-Stande, von Duellen, Turnier- und Ritter-Spielen, auch Ritter-Orden ec... / von Hannsz Friedrich von Fleming
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Des sechsten Theils sechzehndes Lapitel,

der Brand-und Klebe-Kugeln sehr füglichgebraucht werden, ohne daß man vielPulver verschiessen darff. Die Ketten-Kugeln so inwendig hohl, damit die Glie-der darinnen liegen können,sind wegen ih-rer Schwäche nicht gar viel nütze. DieSrangen-Kugelnsindzweyerley, eine dievon zwey gantzen, die andere, so von zweyhalben 'Kugeln gemacht sind, die erstenschieben sich aneinander, die andere legetsich wie eine Ketten-Kugel zusammen.

§,15. Zu Anzündung eines belagertenPlatzes sind die Feuer-Pfeile wohl zuge-vrauchen. Die in die Pistohlen, sindSacklein eines Eyes groß, von Parchentgemacht, und mit einen gewissen Satz an- (gefallet. Man macht Stäbe, so in diePistohlen biß auf die Ladung einpassen,oben bekommen sie eine Spitze, welchedurch die Kugel oben hervor gehet. DasSacklein behält oben und unten seine Lap-pen, damit es an das Stäblein und Spi-tze kan befestiget werden. Es wird aus-wendig herum mit etwas Hanf, so inKühn-Oehl befeuchtet, hart umwunden,und in Pech getaufft. Wenn man sieschiessen will, wird forne ein Loch einge-bohret, und Feuer gegeben, worauf mansie durch den Bogenschuß fortschiesset.Die in die Mousqueten sind einer Faustgroß. Feuer-Pfeile aus Stücken sindnichts anders, als kleine Feuer-Kugelnmit Leinen gebunden. Sie werden wiedie Klebe-Kugeln an eine Stange, bißaufdie Ladung in das Stück gepast, und befe-stiget so starck man kan,und darf der Pfeilnicht oben durch und durch gehen.

§. 16. Bey dem Gebrauch der Artille-rie in Belagerung eines Platzes, hat mansich auch vorzusehen, daß die Fehlschüsse,so viel als möglich, verhütet werden. Sieentstehen aber auf folgende Artn) Wenndas Stück krum, und der Kern gewichen.2) Wenn das Stück nicht recht in der La-vette liegt, und die Räder ungleich, dieNabe und Achsen unfleißig beschlagen,und zusammen gerichtet. 3) Wenn derStand der Stücke wegen feiner Ungleich-heit den Zurücklauf des Stückes verän-dert. 4) Wenn das Pulver mit der La-deschauffel nicht allemahl gleichgefast, undeingeführet wird. 5) Wenn das Anse-tzen derselben, sammt den Vorschlägenund Kugel,einmahl stärcker als das anderegeschieht. 6) Wenn die Vorschläge un-gleich,, und die. Kugeln kleine sind, daß

nachdem sie mit dem Vorschlag aufdU -

ne oder andere Seite in Stücken 9!werden, ihre Ausfarth ungleich werd.<Wenn das Pulver in den Tonnen ungu^ist, und vorhero nicht gemischt wird. 'Wenn sich das Stück erhitzt, oder' vWetter und schlimmen Pulver feuchtschleimicht wird. 9) Wenn sich die Z" ^löcherie längerie mehr ausbrennen, wden Trieb schwächen. 10) Wenn (W pStücke in Munde ausschlagen.

§.17. Die Regiments-Stücke, sie ^gen kurtz oder lang seyn, kan man vornerFestung ebenfalls zuSchiessungna. ^

Kugeln, auchGranaden muß man «nf &starck laden, und wohl Acht haben,dEStock aufoer Ladung anstehet. DreE,sel muß man vor einerFestung so nahe wlen, daß man zum wenigsten die Awswercke und hohen Wall erlangen kan, ^'mit man bey Abgang des Feuerwerckvnden Mörsern nicht stille halten darf, uu .mit vielHand-Granaden aufeinmayi adiesen Mörseln die Festung erreichen wne. Gar zu viel Mörser sind auf ei"Kessel nicht nöthig, weil, wenn sie nahe"einander stehen, einer dem andern mZ,

j den gefährlich ist,und vielFeuerwerck ,I chen sich selbst confus. Auf einensind zwey Mörsel genungsam, weil siedeutlicher und richtiger ohneVerwlttu ^können geladen und gezündet werden.^.,Kessel vo^ einer Festung können lE\ lein alle des Feindes Laretten d^wer^^sondern sie können auch nicht vor der ^lagerten Gegenwehr in so grosse Gei Jgerathen, als wenn derer wenig unossind.

§. i8. Alle Kessel müssen nothwendigso angeleget seyn, damit des Feindes ,guen und Küretten beworfen werdennen, ob man zwar einen Mörsel (p'Lvden kan wo man will,so ist dochWerts als neben der Seite zu wen ^Man muß sie also legen,damit sieoon^Canonendes Feindes nicht können v* ^tzet werden. Die Haubitzen diene,len Occaüonen, wozu man sie hübe» ^sie verrichten die Dienste einesund schiessen scharf, wie einKammersiück, so wohl in einer

vor einer belagerten Festung. ^

§. 19 '*