Band 
Volumen primum.
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456
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Prognosticum

gehende Ordnung, der Aspecten (deren jährlich bey die 90 der fürnembsten,vnd 50 der zugegebenen seind, den Mond als schwächsten aussgenommen)nit zu viel oder zu wenig feuchtigkeit auss den Gebiirgen herfür schwitzenmachet. Das aber die Bewegungen der Lufft oder des Gewitters auff ge-wisse Tage fallen, vnd so offt vmbwechslen, schreib ich den Aspecten^einigzue. Darbey dan diese schöne analogia wol in acht zunemen, das es inder erdenkugel eine beschafenheit habe, wie in des menschen Leib. Wan indemselbigen die Nahrung durch den Mund in Magen hineingenommen ist,so wird alda dieselbige durch die innerliche vielfältige glieder zu einerleiblichen kr afft vnd vermüglichheit verarbeitet, vnd weeret dieses innerlichekochen vnd arbeitten für vnd für ohn einiges auffhören, es mangele danan der speise vnd tranckh, oder falle eine kranckheit ein. Als dan vndin continenti so nimmet diese Leibskraft ab, vnd feit der Mensch vor laut-terer Ohnmacht in ein bette, stirbet auch entlieh gar darvon. Diese Leibs-krafft aber, wan sie fürhanden, hat der Mensch gleichsam als einen gutenvorrath vnder seiner gewalt, vnd mag sie brauchen zu dieser oder jenerarbeit, wie jme sein vernunfft fürschreibet, auch dieselbige des nachts, oderam Sontag zusammen sparen, damit er zu einer newen arbeit desto ge-schickter sey. Wan aber kein krafft in seinem leib nit fürhanden, vnd erentweder hunger oder kranckheit leidet; alsdan gilt die vernunfft bey jmeso viel sie mag, vnd versucht er wol offt zu gehen, auffzustehen, ditz oderjens zu verrichten, aber mitten in der arbeit feit er zu boden, vnd mussalso gezwungener weise müssig gehen. Diss ist ein eigentliche abbildungder innerlichen vnd nit vielen bekandten Natur des Erdbodens. Dan wieder Mensch zu seiner arbeit, also ist der Erdboden darzu erschaffen, daser zu seiner zeit allerhand dämpfe von sich schwitzen solle, damit bergeund tahl nach der notturfft befeuchtiget, Laub vnd grass herfür gebracht,vnd darvon Menschen vnd Yiehe erhalten werden. Soll er diss verrichten,so muss er auch seine Materi vnd gleichsam seine narung darzu haben,das ist nun das gesaltzene Meerwasser.

Soll diss auss den tüffesten orten in die höchste gebürge khommen,vnd auss einem gesaltzenen wasser ein süsser regendampft' werden, so ge-hört eine lange zeit vnd vilfaltiges kochen vnd sublimirn darzu, vnd lassetsich nit in einem augenblickh verbringen. Derhalben jme die Aspecte, alsschnelle vbernachtige antribe, nit werden zu dieser seiner feuchtigkeit ver-helften khöndten: sondern er würdt entweder von natur zu einer stettigenanziehenden krafft disponirt sein (aussgenommen wan er etwa durch ver-stopffung, vnd also zu reden, durch kranckheit daran gehindert würdt) odersoll er auch, wie der Mensch zum essen, also er zum an sich ziehen seinevnderschidlichen zeitten haben, so würdt er hierzu viel langsamere antribehaben müssen, als die Aspecte seind, nämlich etwa der Sonnen stettigesab vnd auffsteigen, des Mondes ab vnd zunemen, vnd villeicht andere mehr,anjetzo noch vnbekandte vrsachen, dardurch dan geschieht das der Erdbodennit allezeit seine notwendige kreft'ten haben khan, seine arbeit zu verrichten.Wie nun jetzo der Mensch durch seiue vernunfft , also würdt der erdbodendurch die himlische Aspecte gemahnet einen tag für den andern (wie nundie Aspecte nacheinander einfallen) viel oder wenig zu schwitzen vnd seinefürhandene kräfften zu gebrauchen : vnd das thut er auch vleissig so langer deren hat. Wan es jme aber an innerlicher vorbereitteter feuchtigkeitabgehet, so leistet er dem Aspecte so vil gehorsam, als er khan vnd mag,