in annos MDCXVIII et XIX. 485
siggang erwecket, dass er nicht darinnen erfaule, vnd in Sünden ersauffe,vnd also zeitlich vnd ewig sterbe.
Nach diesem Exempel erwege auch den jetzigen betrübten zustand.Es bedarf? keiner Göttlicher, vielweniger einer Astrologischen Offenbahrung,wo es dir vnd deinem Feinde fehle, Gott hat dir seinen willen in deinHertz eingeschriben, so blind von begird bistu nimmermehr, es klopft dirdoch dein Hertz vber einer jeden vnrechten That oder falsch gesuchtenSchein. Wann dann nun Gott mit so schröcklichem Ynglück drohet, soist diss sein ordinari weg, dem Menschlichen Geschlecht zu predigen, dar-bey lasset ers gemainiglich verbleiben, im vbrigen will er, dass du dir viel-mehr selber predigest vnd beichtest, dein aigen vnrecht, darauff er miteiner jeden straff fein artlich deuttet (At nolito fieri sicut equus et mulus,quibus non est intellectus) hinweg thust, das gemeine vnrecht, die fahle nitallein der Personen, sondern vnd allermeist der Communen, Collegien, Orden,bestellungen, die peccata status et officiorum, so viel an dir, es sey mitrath oder that verbesserst, die opiniones vnd Haupt fundamenta, darnachdu bisshero all dein thun vnd lassen, in allen zuständen deines gantzenLebens, wehrens, lehrens oder nehrens gerichtet, bey solchen extraordinariPredigten Gottes, gantz auff ein neues examinirest, ob sie auch allerdingsrecht, kein wissentlich unrecht übertragen vnd durchtrucken helffest, odermit dem schönen Mantel der vhralten Catholischen oder wahren reinenEvangelischen Religion, dess gehorsambs gegen der Obrigkeit oder derLieb zum Yatterland, bedeckest, oder so du aus Politischen vrsachen nicht,vberall heraus darffst, sonderlich wo gutes vnd böses in einander geflochten,so beichte vnd klage es deinem Gott, und hütte dich vor der würcklichentheilbafftigkeit dess bösen. Es regieret ja Gott alle ding, darzu bedarff eraber keines falsches: entschlage dich derhalben dessen, vnd alsdann lassihn sorgen vnd regieren, wil er etwas verhengen (wie denn mancher ineiner erkandten bösen gemeinen sach fortsetzet, meinend, Gott werde seinHäufflein oder die Obrigkeit wol schützen) das wird dir viel erträglichersein, wann du in der Sachen vnschuldig. Sonsten, wann man kein Christ-liche Lieb im Hertzen vnd in den thaten, aber wol Gottes Vorsehung imMund führet, so ist es ein lautters gespötte, vnd das alt Geschrey, TemplumDomini, Templum Domini, welches Jerusalem in die aschen gelegt. Wilstaber du trucken vnd mit dem ansehen hoher oder niderer Personen, vieleroder weniger, deiner selbst oder eines andern, im bösen durchtrucken, sodruckt das vngliick noch besser, vnd must dannoch endlich sincken lassen,was du nicht heben magst. Wie es dann gemeiniglich auff beyden theilen,aus recht vnd vnrecht, durch halssstarrigkeit vnd Ehrgeitz, so hart in ein-ander verknottet, dass Gott keine vrsach hat, eine der andern zu vbergeben,sondern sie ringen vnd winden lasset, biss sie zu beyden theilen müdwerden, das zuviel gäile vbrige Geblüt, die böse humores, wider welcheGott mit seiner verhengnuss kempffet, durch solche starcke Aderlässe ausden Gemüthern vertrieben, das Unkraut zum guten theil auffgerieben, vnddessen was an der Sachen gut vnd gerecht gewest, etwa erst lang hernachdie vnschuldige Nachkommen geniessen: wo er anderst nicht aus gerechtemVrtheil dem dritten Mann verhengt.
Wann dann also das fundament rathsamlich vnd wol gesetzt, (darüberdie fürgesetzte Seelsorger mit mehrerm zu vernehmen) so lehret vns diewäre Philosophia nun fürs andere, vmb die bestimpten Zeiten wachsam vnd