Judicium matris Kepleri.
425
der Sachen beschaffenheit, Crafft Examinis testium auch zu confrontiren, vnd allss-dann vff erfolgten fernem Bericht, sonderlich da Sie diser wider Sie eingebrachterpuncten nicht gestendig sein wurde, alssdann die tortur an handt zunemineu. Dasie aber in Landt nicht zubetrettcn, sondern sich vsserhalb vfhnlten solte, wiirdt mitpublication der Zeügen Vssag, wie auch dem angfangnen Process länger nicht inzu-balten; sondern dem supplicanten J. Reinhold zur Gehör vnd schleunigem Rechtezuverhelffen, auch Ihren F. Gn. die bewandtnus vnderthönig anzubringen sein.
D. Groll, Dägkher, SchnepfF, D. Kölz, D. Rösch.
Ad hanc sententiam respondit praefectus Einhorn: Ob gleichwol die Keplerinein gute Zeit bei Irem Dochtermann, Pfarrer zu Hewmaden gewessen, habe Ich dochin vorgenommen heimlicher nachfrag nit erfarn, ob dieselb aDjetzo zu Hewmadenseye oder nit, sonder allein sovil erkundigt, das die lvepplerin, wann solche schonzu" Hewmaden seye, jedoch sich nit vil sehen lasse, auch zun Zeitten nach Esslingenbegebe, (d. 30. Jul.).
Qua accepta responsione consilium Stuttgartiense praefecto Stuttgartiensi mandat,,,er solle ihrenthalben stille vleissige nachfrage haben, vnd die Anstellung thun, wannsie zu ermeltem Hewmaden oder ander ortten in seiner Ambzverwalltung znbedretten,selbige fenekhlicli annemmen vnd alhero füehren lassen. Volgendts solliches förder-lich . sie sey jezo anzutreffen oder nicht, zur Canzley berichten vnd darauff fernembeschaidts gewartten. Stuttg. d. 1. Aug. 1620.
Praefectus Stuttgartiensis Marx Waltter d. 7. Aug. consilio Stuttgartiensi nunciat,Kepleriam deprehensam et Stuttgartiam deductam esse, quo accepto nuncio consiliumKepleriam Leobergam deduci jubet et haec dat praefecto Leobergensi: Lieber getrewer.Was in der Civil Sach vnd Rechtfertigung zwischen Reinholden vnd Kepplers Wittib,so verdächtiger Hexerey halb zur Hafft gezogen, vnd dir allberait gelifert worden, inbeeden Rotuln einkommen, das ist vns referirt, worden. Lassen demnach dir hiemitangeregte beede Rotulos Examinis (so du biss auf vnscrn ferrern Bevelch zu Lewen-berg kbeinswegs judicialiter publiciren lassen, solche auch bev dir in stillem vnd ge-heimb verbleiben lassen sollst), neben eim Extract auss denselben, hiemit zukommen,mit Bevelch, wollest dich darinnen wohl informiren, vnd die Verkafftin vordrist auffdie Theologische Articul (in Beysein Ynsers Specialis) volgendts auch in Beysein desStattschreibers vnd drey vom Gericht vber die wider sie einkommne Puncten, nachanlaitung der Zeug Saag ernstlich (neben Betrowung der scharpfen Frag, vnd dassmann vor angezaigter wahrhait von Ihr nit ausssezen werde) cxaminiren, vnd danöthig, mit ihrem Gegenthail oder denjenigen, so zugefiigten schaden klagen, con-frontiren, auch Ihr göttliche Verzicht zu vnser Cantzley berichten, neben Vermei-dung wie Sie sich bey der Examinatiou erzaigt, darüber ferreren Beschaidtz gewartten.Stuttg. 9. Aug. 1620.
Filia Kepleriae, Margaretha, uxor pastoris Binderi, his adit ducem Wurttem-bergiae: Gnädiger Fürst vnd Herr. Mit was hochbekhümmerlichem gemüeth E. F. Gn.ich clagend entdeckhen muess, das die durch demselben Gn. Bevelch disser tagennacher Stuttgarten zur Hafft genommene Heinrich Kaepplers seeligen Wittib meinrecht leibliche Mueter seye, ist mir nit möglich allhie genugsam zu beschreiben.Wann ich dann von meiner Mueter deren Dingen kheines, dessen sie von ihremGegenthail Reinboldan in lang gefiierther Rechtssach beschuldigt worden, sondernvihlmehr stether Vnderweissung in aller Gottesforcht vnd löblicher Tugenden, vnddahero ihres selbst gefüerthen Christlichen Wandels mich zu berichten weiss, alsswollen die khindtliche schuldigkaiten vnd das viertte Gebott Gottes mich zu dissemmeinem demüettigen Supplicieren hochtringendt vermögen.
Langt vnd ist derohalben an Hocherleucht E. F. Gn. mein vmb Gottes Willengantz vnderthönig demüetig vnd höchst flehenlich Pitten, Die wollen, wa nicht derhochbetagten 73Järigen Verhafften Persohn zu lieb, jedoch aber mir so hochbetrüebtenSupplicantin zue besonders grosser Gnad gnädig consentirn vnd zugeben, das ihromeiner allten blöden Muetter mit hartter Gefänckbnus verschont, hergegen aber einlittenlich Gemach oder Stüblin eingeraumbt w r erde. etc.
His adscriptum est: dem Vogt zuschreiben, er soll die Verhafftin in ein leiden-liche gefängnuss legen, darneben Ihrem Tochtermann M. Jerg Bindern, Pfarrern zuHewmaden vnd seinem Weib alssbald anfügen lassen, dass Sie beede morgen Mittwochden 9. hujus morgens vmb 7 Uhr bey F. Canzley allhie erscheinen sollen. Decr.Stuttg. in Cons. 8. Aug. Canzler Janowitz, Vice Canzler Dr. Ayhin.
D. Daser. D. Rösch.
Examen Kepleriae Stuttgartiam mittens haec refert praefectus Leobergensis: