Judicium matris Kepleri. 433
(indem er doch die Kepplerin nichts bezichtigt, sondern insgemain von denen Vn-holden geredt) Ihren hierzu Anlass geben haben.
Vber disses alles hatt gleichwol die Kepplerin bekbendt, das sie gegen Imegezeügen sich verlautten lassen, der sacken ingedenckh zu sein, vnd solches gegenIne wett zu machen, aber diss were die Vrsach, alss sein Stoffel Knaben einer dasvon Ihrem Sohn Heinrichen von Ir Kepplerin vfferzogen Düchterlin geschendt vndgeschmäht, darzue sie Kepplerin auch darinnen gleichsam einer Hexen vnd Vnholdenantasten wollen, das sie daryber vmb solcher, aber gantz vnd gar nicht sein ZeugenVermainens in Stückhlins Ilauss des Wetters halber volbrachter Reden gegen ImeZeugen im Ellsesser vssgeschlagen, das sie es Ime Weth machen vnd eintrenckhenwolte, aber doch desswegen Ihme, ob er schon einen Argwohn haben mechte, nichtslaidts zuegfüegt, auch nicht anzaigen wollen, wie sie Kepplerin solche Trew worttgemainth, oder an dem Zeügen zue rechen begerth.
15. Anna Guldenmann (p. 409) hatt disse Anzaig gethan: Nachdem dieKepplerin Ihro ein Zainen voll Krautt für das Vieh geschickht, hatt sie selbiges IhrenKüen verfüettert, die aber gleich daruff kranckli worden. Ol) es aber eben der Kepp-lerin Krautt verursacht, hierum!) kendte sie keinen bericht thuen, aber es were son-sten dazumahlen in der Statt Ires Wissens vnder andern Rindervieh kein Kranck-haitt vmbgangen. Die Kepplerin gestendig gewesst, das sie nicht allain für sich Selb-sten disser gezeügen ihrer geschweyhen Krautt gebracht, sondern sie hette auch sel-biger bey Ihrem Mädtlin geschickht, aber es were darumb vsser ihrem Anstifften oderverursachen das Vieh nicht kranckh worden.
16. Barbara Stahlen (p. 409) Gerichtsverwandten zue Leonberg Haussfraw hathievorige ihre gethane Deposition der Verhafftin Kepplerin gantz bestandtkafft vndohne alle Partkeyligkhaitt vnder äugen geredt, das vnder den Schweinen ein solcherJamer gewesst, das mann andersten nicht vermählt, dann das sie den stall darniderziirren vnd gar abbrechen würden, biss sie endtlich darob verstorben. Hierüber dieVerhafftin Kepplerin vorgewendt, ja sie were in die Ziegelhiittin zu ihr Zetigin Vat-tern seeligen kommen, vnd das er Ihro fahren lassen solte, angesprochen, sie aberhotte sich der Schweine andersten nichts angenommen oder geachtet, dann allain dissgesehen, indem sein Zieglers Fuehrknecht mit einem Karren zum Hoff hineingefahren,das Ihme ein klein doch faisst Schweinlin darunder geloffen, allso weil das Bad dar-über gangen, hette es dessen sterben miessen, darumben Ir Kepplerin mit dissembeztig zuvil gewalt vnd Vnrceht bescheke.
Zetigin aber daruff geauttworttet, das selbigen tags, alss Ihres Vatters Schweinso hälftig getobt vnd geschrauen, vnd die Kepplerin eben in der Ziegelhittin gewesst,weren ihre beede Eltern vnd der Fuehrknecht sampt andern Ehehaltten ober demEssen zu Tisch gesessen, vnd die Pferdt im stall gestannden, das der Vrsachen derKnecht nicht yber die Schwein fahren kenden, sondern cs were eben von der Kepp-lerin ein erdicht vnd ohngegrindt liederlich Vorbringen. Es hetten aber der abgange-nen Schw'ein halber Ir Zetigin Eltter vnd alles gesindt so in der Ziegelhüttin gewesst,vff niemanden keinen Verdacht, dann allain die Kepplerin gehabt vnd gefasst.
17. Walpurga Ilallerin (p. 416) hat der Kepplerin vnder Augen geredt,das sie vsser Gottes Verbengnuss, aber des Teuffels Anstifften ihr nicht allain nureinen krommen, brästliafften, eilenden Krippel, nemblich ihren eltisten knaben solchergestallten zugericlit, das er die tag seines leliens arbaittseelig sein miesste, vnd seinHanndtbrott nimmermehr gewinnen kendte, darumben dann sie Zeiigin vnd ihr Ilauss-würth vff disser Weltt kein grösser Creutz noch anligen, dann wann sie beede dieschuld menschlicher Natur bezahlet betten, welcher gestaltten Ihr ybel zugerichtertropff sein zeitliche Nahrung vnd Vffenthalttung gehaben werde, dann sie beede Ehe-gemecht alss arme vnvermegliche leutt Ihnen anderst die Rechnung nicht machenkendten, dann das er eintweder dem Armen Casten haimfallen, oder aber sich vff demlandt mit samblen vnd bettlen ernöhren vnd erhalten mieste, wie es dann seines Zu-standts halber nicht besser, sonder je lenger je örger. An dem es daun auch nochnicht erwunden, sondern indem sie Kepplerin vermerckht, das Zeiigin vnd Ir Mannnicht allain Ires Arbaittseeligen buebens, sonndern auch ihnen so vil abgangenerPferdt vnd Viehs halber, weil die Verhafftin so streng vnd vil in Ihr hauss kommen,einen so grossen Argwohn vff sie geworffen, auch zue zerschidenen mahlen disses Ihrgross Creutz, vndt was insonderhaitt hernacher sich mitt ihrem kleinen Maytlin be-geben, vnderthenig supplicando bey vnserm gnedigen Fürsten vnd Herrn angebracht,hette sie Kepplerin darüb noch nicht gefeyrt, sondern vihl in ein grösser Creutz, da-ferr es Gott nicht verhindert, sie Zeügin vnd die Irige zusteckhen begehrt. Dann alss
Kepleri Opera VIII. 28