1601.
743
sui et rei subjectae aestimiren vnd dahin trachten, dass man Im eine Anzahl Geltsjetz als gleich in die Hand gebe. Ich will auch selbs nach Salzburg zu des HerrnErtzbischovens Hof raisen, dan in so beschafenen Sachen viva vox viel mehr als milleliterae verrichten können. Vnderdessen wil Ich durch Mittelspersonen des Herrnqualitates bei Herrn D. Barwitio rühmen machen, dem Barwitio Selbsten aber, eheich waiss wie der Herr Ertzhischof gesint, nicht schreiben, cum propter certos respectuslonge consultius existimem, rem adhuc integram ad D. Archiepiscopum deferre. So-bald ich aber waiss, wo Er diesfals hinauss welle, wil Ich mich des Herrn Sachen sostarckh Ich vermag bei Im Barwitio anehmen. — Wie Ich die traurig Zeitung vonTychonis Ableiben vernomen, haben mich seine hinterlassne Wittib vnd Erben nitwenig bedauert. Ich vnd andere mehr haben Im offt geraten, das er seine opera beiZeit an Tag geben solle. Jetz ist es Mühe vber Mühe vnd wan nit der Herr dasbeste darbey thut, werden sie schwehrlich die Sachen dahin richten kliönen, das sieein recht aussträglichen Nutzen davon haben, dann ausserhalb des Herrn waiss ichin Teutschland niemand, der den Verstand zur Genüge darauff bette .... Epistola-rum tomum II. betreffent wil Ich darfür halten, es werden diejenigen Sachen, so ichlme ex tempore et uti in buccam venerant zuegeschriben, nit getrukt werden. — Die31. Dec. prioribus addit Herwartus: Zu Salzburg hab Ich den Herrn Iro hochfürst-lichen Gnaden also commendirt, dass mir nit zweiffelt, es werd nit ohne Frucht ab-gehen. Dem Hern Barwitio schrieb ich darumb noch nit, weil Ich gar nit muetmassenkhan, was der Herr seithero mit jm mag abgehandlet haben, darnach Ich mich inetwas reguliren möchte. Bitt mich allain zu verstendigen, in quem finem et scopumIch jme schreiben möchte, soll es alles Fleiss beschehen. — 24. Febr. 1602: demHern Barbitio hab ich also zuegeschriben, wie die beiliegende Abschrift zuerkhennengibt: „Nachdem ich seider des Tychonis Brahe Ableiben von dem Herrn Mag. J. Kepler,so mir per scripta sua woll bekant, so vil verstanden, wie es darauff stehe, das Erin J. Mt. dienst khommen solle, vnd Ich als der Sachen kundig weiss, dass der Zeitnit einer zufiuden, der et ingenio et fundamentis artis mathematicae disem M. Keplerozuvergleichen, geschweigen zu praeferirn, dass mir nit zweifelt, dass J. Mt. ihn vmbvil Gelts nit wurden von sich lassen. Vnderdessen aber nimm ich wahr, dass ihmvil auffgangen vnd noch täglich vil auffgehet, alsso dass er sich gar auffzert et indi-gentiam suam erubescit. Disem nach gelangt an den Herrn mein Bitten, er woll ihnwie bisher im Besten bevohlen sein lassen vnd die Sachen dahin dirigirn, dass erseiner Zehrung allerehist würcklich ergötzt etc. Ich wüste ime D. Kepler auf derllochschul zu Lauingen einen zimlichen Anstand vnd condition mit einer ProfessurMatheseos, es ist aber weder J. Kais. Mtt. noch reipublicae literariae, noch auch lmeKeplero zu rathen, sich an andere Orte zu begeben. So wusst ich in Warheit keinenMathematicum in Europa fürzuschlagen, qui consideratione ad omnes hujus rei cir-cumstantias adhibita ad complenda Magni illius Tychonis Brahe opera tauglich vndftirstendig.“ Ich habe die Original auch einschliessen wellen, damit Ir es vberantwortenmögt zu Eurer Gelegenheit. Ich vermein, wenn Ir es vberantwortet, es solte nit ohneFrucht abgehen. — Rollenhagius (22. Febr. 1602): Tychone mortuo gratulor artiet mihi de successori tali, qui et artem ipsam amat et intelligit, et arguta orationetradere ea et explicare potest.*)
Maestlino refert Keplerus (20. Dec.): Tychonem inaudisti mortuum. Cae-sar curam instrumentorum et imperfectbrum Tychonis studiorum mihi imponere
*) Falsa suspicione Rollenhagius hanc affert causam mortis Tychonis in his literis:Tycho per Ursianum venenum periit, tantum enim symptoma ex retentione urinae in tamvegeto corpore existere prorsus nequit.