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Die Küstenvermessung und ihre Verbindung mit der Berliner Grundlinie / ausgeführt von der trigonometrischen Abtheilung des Generalstabes ; hrsg. von J. J. Baeyer
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X. §. 115. Beurtheilung der Höhenmessung

Methode unter Umständen nocli sehr beträchtliche Abweichungen geben kann.Wenn die Entfernungen nicht grofs und die Höhenunterschiede gering sind,so wird meistens der Felder nur unbedeutend sein, weil der Eintlufs derStrahlenbrechung mit der Entfernung im quadratischen Verhältnils wächst.Auch kann man selbst bei grölseren Entfernungen, wenn zufällig keine un-gewöhnliche Brechungen des Lichtes stattgefunden oder dieselben sich gegeneinander aufgehoben haben, recht befriedigende Resultate erhalten, wie dasNivellement von Stegen nach dem Revekol (§. 110.) zeigt, allein man besitztin der Methode selbst kein genügendes Mittel*) den nachtheiligen Einflufs ab-weichender Brechungen des Lichtstrahles mit Sicherheit zu erkennen, undselbst wenn, wie im angeführten Falle, vom Meere bis wieder zum Meerenivellirt wurde, folgt aus dieser Controle nur, dafs das summarische Resultatbefriedigt, aber nicht, dals die Höhen der einzelnen Stationen eine dem End-resultat entsprechende Genauigkeit besitzen. Dies hier Gesagte wird durchdas folgende Beispiel noch klarer werden:

Wenn man die ersten 16 gleichzeitigen und gegenseitigen Beobachtun-gen zwischen Dietrichshagen und Hohen-Schönberg (§. 111.) zusammennimmt,so geben sie den Höhenunterschied sehr nahe richtig, die folgenden 16 Be-obachtungen geben ihn dagegen um i 7, 5 i 2 fehlerhaft. Ein solches Aufhebender Fehler wie hei den ersten 16 Beobachtungen kann aber auch zwischenverschiedenen Stationen stattfinden, alsdann würden aber nicht die einzelnenStationen sondern nur das Endresultat richtig sein. Bei den 2ten 16 Beobach-tungen haben sich die Fehler summirt: wäre dies zwischen verschiedenenStationen vorgekommen, so müfste natürlich das Endresultat den gröfstenFehler haben.

Da die Brechung eines Lichtstrahles, auf seinem Wege von einer Sta-tion zur anderen, vou den, durch viele örtliche Zufälligkeiten, Wolken, Wind-richtungen, Bodenbeschalfenheit u. s. w. mannigfach veränderten Wärme- undDiclitigkeits-Verhältnissen der Luft abhängig ist, und deshalb weder ein be-stimmtes und noch viel weniger ein bekanntes Gesetz befolgt, so wird dietheoretische Bestimmung desselben vor der Hand noch nicht erwartet werdendürfen. Im Allgemeinen wird es leichter sein aus der bekannt gewordenenStrahlenbrechung einen Schlufs auf die zwischen zwei Punkten stattgefundene

Wenn die Beobachtungen an einzelnen Tagen eine beträchtliche Abweichung vom Mittel zeigen,so scheint allerdings das Verwerfen solcher Beobachtungen der Wahrheit näher zu führen; dieses mehroder weniger willkürliche Mittel kann aber nicht genügen.