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Die Akustik / Ernst Florens Friedrich Chladni
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268
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Flache den Schall weit stärket- fortleiten können, als ein unförmlicher Klumpen von derselbenMaterie, welcher nicht so leicht in Bewegung gesetzt werden kann.

i. Anm. Bey Gelegenheit des von Herrn von A'rnkm aufgestellten Gesetzes finde ich noch nöthig zubemerken, daß, wie ich schon in der Anmerkung zu H. y;. dem Grafen Giordano Riecati zufolgeerwähnt habe, an homogenen festen Körpern zweyerley Aeußerungen der Lohärenz wohl möch-ten von einander zu unterscheiden seyn, nähmlich der Widerstand gegen Trennung(tenacitas), und der Widerstand gegen Gestaltverandernngen (rigiditas). Z.,rBestimmung einiger Begriffe sey es mir erlaubt, hier die undeutschcn Worte: Tenacität undRigidität zu gebrauchen. Wenn die Rigidität ein Widerstand gegen Ausdehnung undZusammendrückung ist, nenne ich sie: Sprödigkeit, wenn sie aber ein Widerstand gegen seit/wärtsgehende Biegungen ist, nenne ich sie: Steifigkeit; erstere ist die bewegende Kraft bei-den Longitudinalschwingungen, letztere bey den Transversalschwingungen fester Körper. Die Ri-gidität, sowohl die natürliche, als auch an biegsamen gespannten Körpern die künstliche, wie auchdie Compressibilität ausdehnbar flüssiger Materien begreife ich in diesem Werke, wie auch in andernakustischen Aufsätzen von mir unter dem (nicht in dem Sinne von Gren und noch einigen andernPhysikern, sondern im gewöhnlichen populären Sinne genommenen) Worte: Elasticität, umeinen gemeinschaftlichen Ausdruck für alles dasjenige zu haben, was bey einem Schalle als bewe-gende Kraft anzusehen ;st. Die Tenacitat und Rigidität können an verschiedenartigen homogenenfesten Körpern in sehr verschiedenen Verhältnissen gegen einander stehen; so ist ein harter Körper-einer, der viele Tenacität und Rigidität, ein weicher, einer, der beydes nur in geringemGrade hat; ein zäher Körper hat viele Tenacität und wenig Rigidität, ein brüchiger Körperhat wenig Tenacität, kann aber demohngeachtet wie z. B. Glas, oder Glockenmerall, eine be-trächtliche Rigidität haben. Durch die Rigidität, welche bey dem Klänge fester Körper die bewe-gende Kraft ist, muß unstreitig auch die Stärke, mit welcher der Schall durch solche Körpersongcleiret wird, mehr bestimmt werden, als durch die Tenacität. So z. B. wird der Schalldurch einen dünnen Stab von GlaS vorzüglich stark fvrtgeleitet, und doch ist er weit zerbrechlicherund unstreitig auch leichter zerreißbar, als ein ähnlicher Stab von manchem Metalle, das denSchall weit schwacher leitet; übrigens ist Glas doch wohl eben so homogen, als Metall. Soleitet auch ein Stab von gebranntem Thone, welcher noch leichter sich zerbrechen oder zerreißen läßt,und doch auch homogen ist und also mit andern homogenen Materien kann verglichen werden, denSchall ziemlich stark.

r. Anm. Des Cartes, welcher überhaupt mehrere akustische Gegenstände besser beurtheilt hat,als manche Naturforscher nach ihm, hat auch schon geäußert, (in epist. P. II. ep. /r.), daß dieUrsache, warum der Schall durch feste Körper stärker, als durch Lust fvrtgeleitet werde, in derenmehrerem Zujammenhange liege.