Band 
Erster Theil.
Seite
350
JPEG-Download
 

350

Niederlande.

in besonderer Güte. Besonders durch die politischen Stürme der letz-ten 100 Jahre ist der Handel, den der kühne Unternehmungsgeistder Nation, freilich oft mit Krämergeist und hartem Drucke der erwor-benen Colonicn gepaart, im XVI. und XVII. Jahrhundert so hochzu heben wußte, tief von seinem alten Umfange, in welchem er fastallein Europa mit Ostindischcn Waaren versorgte, herabgcsunken, jedochdurch die glückliche Lage des Landes noch immer wichtig, und die Nie-derlande haben noch reiche Handelsstädte, unter denen Amsterdamund Rotterdam zu den ersten Europa's gehören. Der sonst so be-deutende Wallfisch- und Häringsfang sinkt aber jährlich mehr.Sehr lebhaft ist der innere Verkehr der westlichen Küstcnprovinzen.

Die Zahl der E. beträgt (ohne Luxemburg) 2,670,000. Sie sindalle Germanischen Stammes, eigentliche Holländer — 2 Mill.Friesen — 175,000, Deutsche— 400,000, wenig Flam ander;Juden — 50,000. Unter ihnen sind über 1^ Mill. Protestanten,meistcntheilsNcformirte, ferner Lutheraner, Mennoniten (Tauf-gesinntc, getheilt in feine u. grobe Tau fgcsin nte, letztere wiederin Galenistcn und Apostoolen), Remonstranten (Arminia-ner), Wiedcrtäufer u. a. Es herrscht völlige Religionsfreiheit, und alleChristlichen Parteien haben gleiche Rechte. DieHoll kindische Sprache istallgemein, in den nördlichsten Provinzen wird noch die alte FriesischeSprache vom Volke geredet. In S. beginnt schon das Flämische,ein Holländischer Dialekt. Der Holländer steht an Charakter demDeutschen nahe, jedoch ist er ernster, aber nicht weniger betriebsam,bedächtig, ausgezeichnet sorgfältig im Ackerbau, in Wcgcäumung derHindernisse, die ihm die Natur seines Landes in den Weg legt, nach-denkend und in manchen Stücken (Landwirthschaft, Wasserbau, Be-nutzung der Moore) Muster, reinlich oft bis zum Übermaaß, aber we-niger mit feiner Lebensart vertraut als seine östlichen Stammgcnossenund in Beurtheilung derselben nicht immer gerecht. In wissenschaft-licher Hinsicht steht die Nation jetzt nicht so hoch als die Deutsche,und wenn gleich die Niederlande ausgezeichnete Männer in vielen Fä-chern des Wissens und der Kunst hervorgebracht haben, so ist doch dieglänzendste Periode der Literatur dort schon hinter der Gegenwart.Nicht mit Unrecht wirft man den E. ein starres Festhalten am Altenin Wissenschaft und Religion vor. Die Kunst scheint ziemlich ver-waiset, weder Maler noch Bildhauer, noch Musiker der jetzigen Zeitenhaben einigen Ruhm. Für eigentlich litcrarische Bildung ist indeßmehr geschehen, als für den Volksuntcrricht. Man zählt 3 Universitä-ten, verschiedene Athenäen (Universitäten zweiten Ranges) und vieleGymnasien, Gelehrten- und Künstlervcreine, und mancherlei wissenschaft-liche und Kunstsammlungen. Merkwürdige Armen- und Bettlcrcolo-nien in den Heiden und Mooren, zu deren Anlage durch van denBosch 1818 ein eigener Verein sich bildete, der 1825 bereits II Nie-derlassungen gegründet hatte, in denen 1827 — 8000 Menschen Ar-beit und Unterhalt fanden.

Die jetzigen Niederlande gehörten nach dem Vertrage zu Vcrdun(843) zu Deutschland, allein Grafen, Bischöfe und andere Herrenmachten sich nach und nach unabhängig und ihre Gebiete sielen spä»