Band 
Zweiter Theil.
Seite
109
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Einleitung. 109

gegen Mächtigere, aufgeblasen gegen Untergebene, dem durch den herr-schenden Despotismus der jämmerlichste Sklavensinn eingeprägt ist.ES steht an Bildung wenigstens den Indern, Persern u. a. Watengleich, und vor Jahrhunderten selbst über dem Europäer, kannte man-che wichtige Erfindungen, z. B. Schießpulver, Buchdruckerei, aber iinrmit Holztafeln, den Kompaß (?), früher als derEurcpäer; es zeichnet sichin der Baukunst, in vielen Gewerben, im Landbau aus, aber seiteinem Jahrtausend und vielleicht länger steht es ohne Fortschritte inHandwerken, wie in Künsten und Wissenschaften unveränderlich fest.Alles Ausländische, selbst wenn seine Borzüge deutlich in die Augenspringen, wird verachtet. Wissenschaften sind hoch geachtet, aber in denFesseln des Asiatischen Aberglaubens, Despotismus und des Herkom-mens. Die Sprache ist einsilbig und die Schrift besteht aus 80,000Wort- oder Silbeuzcichen, die mit Pinsel und Tusche aufgetragenwerden. Viele Schulen verbreiten die nöthigen Kenntnisse. DieHauptbeschäftigung der E. ist Ackerbau, der mit musterhafter Sorg-falt getrieben wird; selbst Felsen sind künstlich mit Erde bedeckt, steileAbhänge durch Mauern in Terrassen umgeschaffen und Flöße auf denGewässern zu Gartenbeeten eingerichtet; aber trotz dieses Fleißes kanndas Land der vielen Gebirge wegen, seine Einw. nicht ernähren; Reisist daher ein Haupteinfuhrprodnct und Hungersnoth gar nicht selten.Ausgezeichnet ist der Fabrikfleiß und die lackirten, gewebten undgestickten Waaren, Metall-, Elfenbein- und Hornarbeitcn des Landesübertreffen die Europäischen, auch das Porzellan ist vorzüglich. Mantreibt Malerei und Baukunst bis zu einem nicht geringen Grade,aber freilich ohne (Europäischen) Geschmack; China hat bewunderns-würdige Werke der Baukunst aufznweiscn. Sehr weit haben es dieChinesen in der Anlage reizender Gärten und Parks gebracht. Aus-wärtiger Handel ist auf zwei Häfen, einen in N. für Japan, in S.,Kaniong, für die Europäer und Indien, und auf einen Handelsplatzan der Rnssiscken Gränze, Maim ätsch in, für Sibirien beschränkt.Die Chinesen sind schlechte Seefahrer, dcnncch aber wagen sie sich durch-Noth und Gewinnsucht getrieben mit ihren schlechten Schiffen nachden Indischen Inseln und nach dem festen Lande selbst, wo sie sich zuTausenden niederlassen und in manchen Gegenden den thätigsten Theilder Bevölkerung ausmachen. — Eine herrschende Religion giebt es nicht.Der Hof bekennt sich zur Lamaischen, die Gebildeten sind Anhän-ger des berühmten Weisen Kongfutse, der vor Christus lebte undeine reine Bernunftreligion lehrte, das Volk ist dem Buddhismus(der Indische Buddha heißt hier Fo, die Priester Bonzen) zugethan.Noch nennt man die nur geduldete Lehre deS Laokiun. ES giebtauch Ruh am edan er uud Juden. Auch das Christenthum istdurch Missionaire, die ihrer Kenntnisse wegen dem Lande höchst nützlichsind, lier verbreitet, aber in neueren Zeiten sehr unterdrückt; Die Zahlder Christen soll sich auf 46,000 belaufen. Außer den Chinesen lebenim Lande MantschnS, Nachkommen der Mongolischen letzten Erobererdes Lcndes; Si sauen, Mongolische Nomaden an der O. Gränze;Lolot und MientingS in S-, wahrscheinlich Hinterindischen Stam-