Band 
Zweiter Theil.
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Asien.

in den Provinzen nach Gutdünken und sind von« Hofe in Konstanti-nopel nur so lange abhängig, als sie es ihrem Vortheile gemäß halten;man läßt sie auch in der Regel nach Willkühr schalte» und walten,so lange sie nur den Tribut richtig einsenden, zufrieden, wenn sie nurnicht öffentlich den Gehorsam aufkündigen. Nicht selten ziehen die Paschasselbst gegen einander zu Felde und entreißen sich einanderTheileihrerPro-vinzen, deren Gränzen daher auch sehr unbestimmt sind. Manche Völ-kerschaften (Araber, Turkmanen, Kurden, Drusen u. a.) sind so gutwie ganz unabhängig, oder zahlen eine Art Pacht für ihre Weideplätze.Weit früher als in Europa gründeten die Türken in Asien ihre Macht,die sich 1825, unter Sultan Osman I., dem Gründer ihres Reichs,schon über einige Provinzen Kleinasiens erstreckte, nachdem dies Volkschon sechs Jahrhunderte früher aus der Tatarei hervorgcdrungeu warund sich zu den das Griechische Kaiscrthum ängstigenden Stämmen ge-sellt hatte. Osman's Sohn, Orchan, vollendete die Eroberung derHalbinsel und griff Europa an (1355). Selim II. eroberte seit1512 Syrien, Palästina und Ägypten, Soliman II. fügte 1522Mesopotamien und Irak Arabi hinzu; ja die Herrschaft der Sultaneward sogar über einen Theil von Arabien ausgedehnt. Alle diese Pro-vinzen gehören mit geringen Ausnahmen auch noch jetzt zum Staate.Man theilt gewöhnlich das Ganze in 7 Provinzen, die in Ejaletsoder Pasch aliks zerfallen.

I. Natolien oder Anadoli, daS alte Kleinasien, imHandel die Levante genannt, — 8100 Q. M. Die Straße vonKonstantinopcl und die Dardanellen trennen diese Provinz von Eu-ropa. Die von 3 Seiten dieselbe umgebenden Meere bilden nichtgroße, aber viele und tief einschneidende Meerbusen, welche die herr-lichsten Häfen, jetzt aber zum Theil versandet, darbieten. Die ganzeProvinz ist gebirgiges Hochland; der T a » r u s durchzieht dasselbe inmehren hohen Ketten, die 10 —12,000 F. hoch sein müsse», da z. B.der Ardschisch beständig mit Schnee bedeckt ist. Im SandschakBruffa der 9000 F. hohe Do mann tag, der fast immer mit Schneebedeckt ist. Die Hauptabdachung geht nach N., steil fällt das Hoch-land am Südrande zum Meere hinab. Hochebenen, zum Theil Step-pen, sind im Innern, welches jetzt sehr unbekannt und der dort hau-senden räuberischen Nomadcnhorden wegen schwer zugänglich ist. Ineinigen Gegenden, besonders in SW., finden sich Spuren frühererVulkane, Lava, heiße Quellen; Erdbeben sind hier gar nicht ungewöhn-lich. Zwei bedeutende Flüsse sind der Kisilirmak und der Sakarja,welche inS Schwarze Meer fließen, der Enfrat macht zum TheilGränze gegen Armenien; unter den übrigen Flüssen verdient nur derMinder (Mäander« und Sarabat an der Westküste Erwähnung.ES giebt auch verschiedene Landseen, Beischehri in S., Ulubad inNW , Dusgköl in der Mitte u. a. In den meisten Gegenden istder Boden sehr fruchtbar und die Küstenstriche gehören zu den schönstender Erde, sind außerdem auch historisch wichtig und durch ihre höchsteBlüthe im Alterthume, wie die unzähligen Ruinen aus der Zeit derGriechen und Römer beweisen, interessant; aber weite Strecken sind