Einleitung. Habesch. 237
Thäler füllen und bei dem Mangel aller Brücken jede Verbindungder Städte und Dörfer eine Zeit lang unterbrechen. Daraus erklärtsich das Übertreten des Nils besonders im Tieflande Ägyptens. Ha-besch gehört zu den reichsten Ländern der Erde, die Natur hat es mitThieren, Pflanzen und Mineralien in größter Fülle ausgestattet; derSegen ist so groß, daß das fruchtbare Land jährlich drei Erndten lie-fert. Alle Europäischen Hausthiere sind hier ausgezeichnet, namentlichdie großen Sangaochsen, durch ihre oft 4 F. langen Hörner be-rühmt; die Schafe sind klein und schwarz, Ziegen giebt es in großerMenge. Kamele werden nur in den niederen Gegenden gebraucht.Wild ist in großer Menge und eben so Büffel, Elefanten, Nas-hörner mit2Hörnern, Flußpferde, besonders Hiän en, Löwen,Bären, Schakals, Affen, Zebras, Giraffen, Zibcth-katzen, Krokodile, Riesen- und andere Schlangen, eine un-endliche Zahl wilden Geflügels, namentlich auch Adler, Geierund Falken; Bienen sind wild und zahm vorhanden, unter diese»eine Art ohne Stachel; Seidenbau wird ebenfalls getrieben, aberauch die Zugheuschrecke richtet gewaltige Verwüstungen an, undgiftige Schlangen, Skorpione und Muskitos sind höchst lästig.Die Gebirge sind wahrscheinlich reich an Metallen, aber man ge-winnt nur Gold, meistentheils aus Flüssen, wenig Eisen und an-dere Metalle. Steinsalz findet sich in der Salzebene in unerschöpf-licher Menge, und Stücke davon cnrsiren im Lande als Münze, derenWerth mit der Entfernung vom Fundorte steigt. Man hat das herr-lichste Obst, Südfrüchte, Zuckerrohr, Senncsblcitter,Bauwolle, Flachs, Taback, große Waldungen von Zedern,Buchen und Fichten, Aloe, Myrrhen und viele andere nutzbarePflanzen, die natürlich nach der höheren oder niederen Lage des Bo-dens in den verschiedenen Provinzen nicht dieselben sind; daS Haupt-nahrungsmittel liefert die Hirse (Durra und Teff). Die E. sindgrößtentheils Habeschiner, ein Afrikanisches Stammvolk, braun vouFarbe, von Negern ganz verschieden, sehr roh, mit zwei verschiedenenSprache», Koptisch Christlicher Religion mit viele» JüdischenGebräuche», Klöstern und Vielweiberei, dabei höchst unwissend in Kün-sten und Handwerken, ohne alle wissenschaftliche Bildung, so daß selbstdie Geistliche» kam» lesen können. Viehzucht ist Hauptbeschäftigungnebst dem Ackerbau, Handel ist hier nicht so bedeutend als in Nubien.Die Agows, ein rohes Christliches Hirtenvolk, wohnen um die Quel-len des Nils und haben eigene Sprache. Araber sind im Landezerstreuet; ganze Stämme lebe» an der Küste als Nomaden und inhöchster Armseligkeit. Juden ziemlich zahlreich, auch als Handwerkerund Ackerbauer ansässig. Schon seit langen Jahren hat das Land vouden Einfällen der wilden Ncgerstämme, der Gallas, viel zu erdul-den; nur die Gebirge scheinen sie von der Eroberung des Ganzen ab-gehalten zu haben. Sie kommen von S. her und haben dort bereitsganze Provinzen sich unterworfen. In N. in den Stnfenländernzwislüen dem Nil Takazze und Markb wohnen die Scha »gallas,ebenfalls Neger. Habesch war sonst ein mächtiges Weich, jetzt ist es