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Südamerika.
Lauft der Flüsse bemerkt. Unglaublich ist der Wasserrcichthum, dersich iu den Waldgegenden und besonders nach den Hauptströmen zuin zahllosen Flüssen (darunter wahre Riesenströme), Seen und Süm-pfen zeigt; daher aber auch die dem Europäer fast unbegreifliche Trieb-kraft der Natur, die bei der nimmer mangelnden Wärme der Atmo-sphäre die Pflanzenwelt mit einer Üppigkeit hervortreibt, die keineSchilderung erreicht. Pflanze drängt sich neben Pflanze hervor, inden mannigfaltigsten, lieblichsten und abenthenerlichsten Gestalten, undbedeckt nicht allein den Boden und die Gewässer, selbst der Baumgiebt wieder eine Menge auf ihm keimenden, ihn umschlingenden undin seiner Rinde wurzelnden Gewächsen Nahrung. Und eben so reichist Wald und Wasser an Thieren aller Art. Zahllose Krokodile, dasungeheure Manati (Lamantin), Millionen von Schildkröten, ein un-beschreiblicher Reichthum von Fischen, Affen, Geflügel und Wild allerArt, daneben aber auch wolkenähnliche Schaaren quälender Jnsectenund eine Unzahl von Schlangen leben und weben in Wasser, Luftund Erde. Nur der Mensch lebt hier noch in geringer Zahl; meilen-weite Strecken durchirren kaum einzelne Familien elender Wilder undnur an den Ufern der Hauptströme finden sich durch weite Räumevon einander getrennt, Europäische Niederlassungen, deren Bewohner,meist aber auch nur gezähmte Indianer, mit der übrigen Welt in sel-tenem Verkehr stehen. Die dort Hansenden Jndianerstämme gehörenzu den rohesten aller Menschenkinder, fuhren zum Theil ein fast thie-risches Leben, reiben sich selbst im ewigen Kampfe unter einander aufund bedrohen stets das Leben des sich zu ihnen wagenden Europäers.Dennoch hat die Politik der ländersnchtigen Spanier und Portugiesenauch in diesen Wildnissen schon ihre Gränzsteine gesetzt und Gegenden,wohin nur unter. Gefahren, welche Natur und Menschen drohen, derFuß oder vielmehr das Boot des Europäers vordringen kann, wo aberNatur und Menschen noch keinen irdischen Herrscher anerkennen, zuihrem Gebiete erklärt. Die Hauptader des ungeheuren Stromgebiets,welches von Brasiliens südlichen Gebirgen bis zu dem Hochlande Gua-janas, von dem Hochthale der Cvrdilleras bis zum Atlantischen Ozean(^:460M.) reicht und einen Flächeninhalt von mehr als 140.000Q.M. (fast fünfmal das Gebiet der Wolga, vier Fünftel von Eu-ropa) einnimmt, ist der Maranhon (maranjong) der Maranhao(maranjaung) *). Dieser größte aller Ströme entspringt auS dem SeeLauricocha (kotscha) oder Hianricocha (104° S.) in Peru undmacht von hier aus bis zu seiner Mündung einen Weg von 750 M.Noch entfernter von der Mündung sind jedoch die Quellen seiner Ne-benflüsse, des Ueahale und Beni, die im Hochthale von Bolivia,in der Nähe des Ricscnbergeß Jllimani (164° S.), entspringen. Mitgewaltigem Eefälle eilt er auS der Höhe von mehr als 12,000 F.
*) Bis Brasiliens Gränze führt der Strom diesen Namen; von da an heißter Solimoes (solimuens) und unterhalb der Mündung des Negro erhälter den Namen Rio das Amazonas.