Guajana.
423
doch zu etwa 4500 (nach Andern 7400) Q. M. angenommen. Es istflacher, zum Theil sumpfiges Küstenland, von verschiedenen Flüssen,denn Essequebo (esfiquibo), Oemerara, Surinam, Maroni,Ojapok u. a. durchströmt, hebt sich aber im Innern zu förmlichemHoch- und Gebirgslande, in welchem wahrscheinlich (denn das Inneregehört zu den noch unbekannten Theilen Amerikas) Bergketten mitHochebenen wechseln. Die Küstenebene ist so flach, daß selbst der höchsteHügel, Maillet oder MayeS (3° 15'N.) nur etwa 150F. mißt.Sehr allmälig senkt sich die Küste, die oft eine Meile weit als Schlamm-bank inS Meer hineinreicht und durch neue Schlammablagerungenschnell ihre Gestalt verändert, so daß Schiffe nur mit großer Vorsichtsich dem Lande nähern dürfen; die Mündungen der Flüsse mache»durch ihre Sand- und Schlammanhäufungen das Einlaufen großer Schiffemeist ganz unmöglich. Bemerkenswerth ist die beständige StrömungdeS Meeres längs der Küste gegen RW., wahrscheinlich eine WirkungdeS AuSströmenS der großen Wassermaffe des Maranhon, die durch denWiderstand des Ozeans getheilt gegen S. und R. an der Küste hin-streift, die starke Fluth, die in weniger als drei Stunden bis 45 F.steigt, die heftige Brandung an den harten Thonbänken, die das Lan-den gefährlich macht, das schnelle Wachsthum der Küste, die fast sicht-bar sich immer weiter ausdehnt, noch mehr aber die natürliche Kanal-verbindung, welche sowohl im flachen Küstenlande als im Innernzwischen verschiedenen Flüssen Statt findet, wie wir ähnliche Erschei-nungen bei den Nebenflüssen des Maranhon (vergl. Brasilien) gesehnhaben. Im Innern sollen Spuren von Vulkanen sein. Die ganzeGegend ist dem benachbarten Kolumbien in allen Stücken gleich; da-daher dieselben Produkte: Zucker Kaffee, Baumwolle, Indigo,Taback, Pfeffer, Reis, KokoS- u. a. Palmen, Maniokund Bataten, beide gewöhnliche Nahrungsmittel, Färbehölzcr,mancherlei Arzneipflanzen, dieselben Thiere, auch die merkwür-digen Beutelratten, der Vanipir, das Stinkthier, der Ja-guar und Kuguar, der Ameisenbär, viele Affen, besonderszahlreiche und große Schlangen, Eidechsen und Kröten, nament-lich die Riesen schlänge, die Pipa und gehörnte Kröte, vielwildes Geflügel, aber auch schädliche Jnsecten, Heuschrecken, Ter-miten und Moskitos in großer Menge. Ausgezeichnet ist dieSchönheit der hiesigen Schmetterlinge und anderer Jnsecten. DerBoden ist an der Küste die fruchtbarste Marsch, das Klima des Landesaber als ungesund bekannt. Die Hitze ist trotz der Nähe des Äqua-tors nicht größer, als die der heißesten Deutschen Sommermonate, dasie von den herrschenden N. und O. Winde» gemäßigt wird, aber dieLuft ist sehr feucht. Zweimal im Jahre, Mai bis JnliuS und Jan.und Febr. tritt Regenzeit ein; jedoch sind eigentlich die Monate Ju-lius bis Oct. nur die trockne Zeit. DaS Innere, welches in verschie-dener Entfernung (2 bis 15 M.) von der Küste mit niedrigen GebirgS-rcihen beginnt, weshalb auch alle Flüsse mehre Wasserfälle (der Esse-qucbo hat deren auf einer Strecke von 20 Meilen 39 und noch zahlreicher scheinen sie im Ojapok zu sein) bilden und daher nicht weit