Band 
Zweiter Theil.
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Amerika. Westindien.

herrschenden Nation; am zahlreichsten sind Spanier (350,000), Eng-länder (60,000) und Franzosen (30,000); außer ihnen lebenhier auch Holländer (6500), Schweden und Dänen. Mulattenin verschiedenen Abstufungen und meist im Genuß aller bürgerlichenRechte begreifen die übrige Zahl. An Schulanstalten und Bildungist wenig zu denken. Die Neger sind zum Theil noch Heiden, aufden Spanischen Inseln freilich meistentheils getauft, aber deßhalb nichtweniger roh, als die übrigen. Herrnhuter und Methodisten habenviele Negerschulen gestiftet und wirken dadurch höchst wohlthätig, un-terstützt von den Bibelgesellschaften. Die hier wohnenden Europäerhaben völlig die Bildung ihres Vaterlandes; die wohlhabendem unterihnen werden gewöhnlich in Europa erzogen; von eigentlicher Culturder Wissenschaften finden sich auf wenig Inseln Spuren. Das fasteinzige Geschäft der E. ist Landbau und Handel. Unglaublich istdie Menge von Producten, die von hier ausgeführt werden; 3 bis 400Will. Pf. Zucker, 50 Will. Quartier Rum, 30 bis 40 Mill. Pf. Kaffee,20bis30Mill.Pf. Baumwolle werden jährlich allein aus Brittischcn In-seln geholt. Handwerke giebt es allerdings für die nothwendigstenBedürfnisse, aber an wirkliche Industrie ist nicht zu denken, Europaliefert alle eigentlichen Fabrikwaaren. Bergbau ist unbedeutend,wichtiger ist Seefischerei.

Ganz Westindien ist, mit Ausnahme der Inseln Haiti und Mar-garita, noch der Europäischen Herrschaft unterworfen, deren Willkührjedoch namentlich in den Englischen Calvinen durch die Verfassung sehrbeschränkt ist. Die ersten Entdecker des Westindischen Archipels warendie Spanier (Columbus fand 1492 die Bahamas, Cuba, Haitiund Puerto rico, 1493 Dominico und die nördlicheren kleinen Inseln,1494 Jamaica, 1498 Trinidad) die daher anfangs allein Coloniengründeten. Erste Niederlassung auf Cuba, Bedrückung der Eingebvr-nen durch Tribut an Gold und Baumwolle; völlige Vertheilung der-selben (RepartimientoS seit 1503) unter die Europäer, wodurch jenewider Willen der Regierung zu Sklaven gemacht wurden, und dadurchbewirkte allmalige Ausrottung des Urstammes. Bald begann derAnbau der sogenannten Colonialwaaren (Gewürze, Färbehölzer, Baum-wolle rc.; Zuckerrohr wurde aus Europa eingeführt); aber in derzweiten Hälfte des XVl. Jahrh, sinkt die Blüthe der Inseln undAnbau und Bevölkerung nehmen ab, weil die Regierung durch des-potische Einrichtungen jede freie Entwickelung der innern Kraft derColonien hemmt. ColumbuS und seine Nachkommen behaupten nurmit Mühe die ihnen zukommenden Würden eines Admirals und Vice-königs bis 1545. Die Gouverneurs der einzelnen Inseln wurdengänzlich von der Regierung abhängig; der Handel wurde immer mehrgefesselt; kein Schiff einer anderen Europäischen Nation durfte hierlanden und die Colonisten nur mit einer Spanischen Stadt (Sevilla,seit 1720 Cadir) in Verkehr stehen; späterhin durften die Produetenur auf gewissen Flotten ausgeführt werben. Kein Wunder, daß dieColonisten auswanderten und die Inseln, die im Anfange des XVII.Jahrh, auch fast keine Ureinwohner mehr hatten, verödete»; denn