Geschichtliches.
150 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschastl. Gewerbe.1,42 spec. Gewicht) in der Warme behandelt, so tritt ein energischer Oxydations-
proceß ein, der die Starke in Kleesäure verwandelt. In der That wird alleKleesäure gegenwärtig im Großen aus diese Weise dargestellt.
Vom Zucker.
Die Gewohnheit, die Speisen zu verjÄßen, ist sehr viel alter, als dieKenntniß des Zuckers. Die Griechen, Römer, überhaupt die alten Völker be-dienten sich des Honigs zur Würzung ihrer Speisen. Spater lernte maneinen Honig kennen, mel arundinaceum, welcher aus einer Art Rohr (sehrwahrscheinlich unserem Zuckerrohr) ausschwitzte. Dioskorides (1. Jahrhun-dert n. Chr.) sagt sehr bestimmt, eine Art Honig finde sich an Rohren, welchein Indien und dem glücklichen Arabien wachsen, und werde 6a%%aQov , d. i.Zucker, genannt; fast mit denselben Worten drückt sich Plinius aus mit demBemerken, daß der Zucker nur in der Arznei gebraucht werde. Der Zucker hatnämlich mit sehr vielen Genußmitteln des täglichen Lebens das gemein, daß ererst durch den Arzneischatz hindurch, sich Bahn in's tägliche Leben gebrochen hat.Bis dahin scheint sehr lange Zeit verflossen zu sein, und es ist wahrscheinlich,daß erst durch die Kreuzzüge der Gebrauch des Zuckers in Europa, wenigstensdem nördlichen Theile, bekannt wurde. Der Bau des Zuckerrohrs kam vonAsien zuerst nach Cypern, wo um's Jahr 1148 schon viel gezogen ward; umdiese Zeit ward es nach Madeira, und 1506 nach Westindien verpflanzt. Aufder andalusischen Küste existirte die Cultur des Zuckerrohrs vor der Herrschaftder Araber, unter welcher bereits viele Zuckersiedereien bestanden. Aus jenerEpoche, nämlich der Mitte des 15. Jahrhunderts, datirt die Kunst, den Zuckeraus dem Zuckerrohrsaft einzusieden; die Kunst, ihn zu rafsiniren, dagegen iftviel später von einem Venetianer erfunden worden. Im Jahre 1597 hat esschon eine Zuckersiederei (Raffinerie) in Dresden gegeben. Die Anwendungdes Kalkwassers und Eiweißes-zum Rafsiniren des Zuckers ist von Ange lusSala (Anfang des 16. Jahrhunderts) in seiner Saccharologia beschriebenworden. Der Name Kandis findet sich bereits in der Alchemia desvius (1595) erwähnt. Noch bis zu Ende des 17. Jahrhunderts war derZucker so theuer in Deutschland, daß alle weniger Bemittelten nur Syrup odetHonig statt Raffinade gebrauchten; mit der steigenden Gesittung ist jedoch derGebrauch des Rohrzuckers mehr in die unteren Schichten der Bevölkerung ein-gedrungen und dadurch ebenfalls gestiegen. Am meisten hat dazu der vermehr^Verbrauch an Thee und Kaffee beigetragen.
Nachdem der Zucker mehrere Jahrhunderte hindurch vom Auslande bez^gen und im nördlichen Europa nur raffinirt worden war, so ist im Jahre 1^darin ein Wendepunkt mit dem Bekanntwerden einer Untersuchung des deutschtChemikers Marggraf (über das Vorhandensein des Zuckers in verschiedenesWurzeln, besonders den Runkelrüben) eingetreten, worin derselbe darthat, daßdarin fertiggebildeter Rohrzucker enthalten sei. Erst 49 Jahre nachher w»edie erste Rübenzuckerfabrik durch einen gewissen Achard zu Cumorn in Sckstsien als Versuchsanstalt angelegt, aber ohne sonderlichen Erfolg. Die Äu«1'Zucker aus dem Runkelrübensaft zu scheiden, sowie die künstliche Erzeug»^
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