Band 
Zweiter Band.
Seite
154
JPEG-Download
 

154 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschaftl. Gewerbe.

binden sich mit -Dalzen, z. B. Kochsalz, zu Verbindungen, die theils gemisch-ten, theils gar nicht süßen Geschmackes sind.

Gegenstand technischen Kunstfleißes find nur: die Fabrikation des Trau-benzuckers aus Starke, sowie die Abscheidung des Rohrzuckers aus dem Zucker-rohr und den Runkelrüben.

Vom Starkezucker.

Praktisch,r Wie sich zum Voraus erwarten laßt, so ist die Entdeckung der künstlichen

Stürkrjuckers. Umwandlung der Starke in Zucker nicht lange unausgebeutet liegen geblieben.Die Fabrikation des Stackezuckers bildet vielmehr bereits einen recht wichtigenBetriebszweig, dessen Ausdehnung und Interesse nur dadurch sehr beschranktist, daß man auf diesem Wege nur den weniger anwendbaren Traubenzuckererhalt. Dieser letztere kann nämlich den Rohrzucker nur in gewissen, nicht zahl-reichen Fallen, und alsdann gar nicht ersetzen, wenn es sich um die Anwendungdes Zuckers in Substanz handelt, also beim Versüßen des Thee's, Kaffee's, derSpeisen rc. Darin besteht aber gerade der größte Bedarf. Die Ursache liegttheils in der größeren Schwierigkeit, ihn zu reinigen und in Krystallen zu er-halten, welche dem Publikum eine unmittelbare Gewahr der Reinheit sind;theils auch in der geringeren Löslichkeit und Süße. Beide Zuckerarten lösensich zwar in jedem Verhältnisse in kochendem Wasser, dagegen bedürfen untergleichen Umstanden 100 Thle. Traubenzucker 133Thle., nach Anderen 163 Thle.;aber 100 Thle. Rohrzucker nur 33 Thle. kaltes Wasser zur vollständigen Aus-lösung. In beiden Fallen, ob das Wasser kalt oder warm ist, erfolgt die Auf-lösung des Traubenzuckers ungleich langsamer. Ferner schmecken zwei Auflö-sungen, welche gleich viel, die eine Trauben-, die andere Rohrzucker enthalt,dennoch ungleich süß; man bedarf nahe bei 2^ mal so viel Trauben- als Rohr-zucker, um gleiche Grade von Süßigkeit hervorzubringen. Gepulverter Trau-benzucker auf die Zunge gebracht schmeckt zuerst mehlig, und erst sehr allmälig,indem er sich langsam auflöst, süß und zugleich etwas schleimig; der Rohr-zucker entwickelt eine reine Süße, und zwar in viel höherem Grade und unmit-telbar. Um gleichen Werth zu haben, müßten 5 Pfd. Traubenzucker höchstensso viel kosten, als 2 Pfd. Rohrzucker.

Darfi«lluiig. Die Umwandlung der Starke in Zucker ist durch mehrere Mittel möglich,die bereits oben (S. 145) nach einander angeführt worden. Bei der Ausübungim Großen, wenigstens so weit die Zuckergewinnung der letzte Zweck ist,man sich jedoch auf die Anwendung der Schwefelsaure beschrankt, weil s tewohlfeil ist, rasch wirkt und nach geschehener Einwirkung wieder kurzer Handund auf sehr einfachem Wege abgeschieden werden kann. Da alle Starkesortenfür die Umwandlung in Zucker im Uebrigen gleich geeignet sind, so pflegt manausschließlich die wohlfeilste, nämlich die Kartoffelstärke, zu verarbeiten.

Wenn man mehr im Kleinen arbeitet, so geschieht dies meist auf freiemFeuer, und man bedient sich alsdann tiefer Keffel von Blei, welche mit demunteren Theile in eiserne Pfannen eingelassen sind, so daß das Blei nirgendsunmittelbar von der Flamme getroffen wird. — In größeren Fabriken kannman von der viel vortheilhafteren Dampfheizung Gebrauch machen, welche ga"i

e