Von der Zuckerflederei. Colonialzucker. Verbesserungsvorschläge. 173
Vor allen mußte der Verlust durch unvollkommenes Keltern die Aufmerk-samkeit in Anspruch nehmen. Es ist in diesem Betreff vorgeschlagen worden,die ausgepreßten Rohre in warmes Wasser zu weichen und ein zweites Malzu pressen, man soll dadurch y ä Zucker mehr erhalten. Payen rath, dasRohr zwischen dem ersten und zweiten Durchgänge durch die Walzen einemDampfstrome zu gleichem Zwecke auszusetzen. Durch die hohe Temperatur die-ses Dampfstromes wurde zugleich die Gefahr der Gahrung des Saftes be-seitigt.
Andere Verbesserungen betreffen den Siedeproceß. An die Stelle derfrüheren liefen Kessel hat man flache Pfannen in terrassenförmiger Abstufunggesetzt und mit Vortheil. Noch später hat man die Dampfheizung, in Ver-bindung mit dem Abdampfen im Vacuum und den Knochenkohlenfütcrn einge-führt*). Es existiren Maschinenfabriken in Europa, wie Derosne & De-tail in Paris und Brüssel, welche vollständige, darauf gerichtete Einrichtungenan die Colonien liefern. Solche Apparate sind besonders in den französischenKolonien, aber auch durch die holländische Regierung nach Java eingeführtworden. So eingerichtete Siedereien liefern nicht nur mehr, sondern bei wei-tem besseren und schöneren Zucker.
Alle diese Verbesserungen erfordern ein über das gewöhnliche gehendes Be-teiebscapital und können deshalb nur da eingeführt werden, wo sich ein solchesder Hand des Plantagenbesitzers vorfindet, oder durch Association zusammen-gebracht werden kann. Die gründliche Umgestaltung des ColonialzuckerbetriebsiUm Besseren kann mit andern Worten nicht in der Technik und Mechanik, son-^rn nur in dem zu Grunde liegenden wicthschaftlichen Systeme ihren Aus-gangspunkt nehmen.
Eine andere Idee darf hier nicht unberührt bleiben, nämlich diese: dasErntete Zuckerrohr in den Colonien nur auszutrocknen (etwa wie die Rüben^ Schützenbach), alsdann in diesem Zustande zu versenden und in Europa^ verarbeiten. Nach dieser Idee soll also die gesammte Darstellung den Colo-mit ihren mangelhaften Hülfsmitteln entzogen werden. Das Zuckerrohrin der That, bei gehöriger Vorsicht, ohne Zersetzung des Zuckers getrocknet^rden und enthält alsdann zwischen 60 und 70 Proc. krystallisirbaren Zucker.
vollkommene Austcocknung setzt aber eine bedeutendeZertheilung voraus, unda diesem Zustande des Rohrs verändert sich der Zucker im Verlaufe von WochenMonaten so, daß nur noch die Hälfte krystallisirbarer Zucker erhalten werdenstnt1 - Abgesehen davon, daß das Austrocknen des Rohrs sehr umständliche Nor-mungen voraussetzt und eine weit umsichtigere Behandlung, als sich von den^gern erwarten läßt, so hat man höchstens selbst mit europäischen Hülfsmitteln^ Proc. Zucker aus dem trocknen Rohr zu hoffen. Es kommt also die HälfteCg* ® cn, ‘ cf)t des trocknen Rohrs auf den todten Transport, der hinreicht, um' Unternehmen, wenigstens bei den gegenwärtigen Zollverhältnissen, unmöglichwachen.
) Siehe darüber weiter unten den betreffenden Abschnitt.