Band 
Zweiter Band.
Seite
174
JPEG-Download
 

174 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschastl. Gewerbe-

Noch gewagter möchte es sein, wie Ure meint, statt des Rohrzuckers schlecht-weg den verkochten Saft, der also bereits mit allen Folgen der mangelhaftenBehandlung behaftet ist, zu versenden.

8. Die Zuckerraffinerie.

Dorbemrr

kung.

- Wir wenden uns zur Reinigung (Raffinirung) des in den Eolonien auf

dem beschriebenen Wege erzeugten Rohzuckers. Die über die Natur dieserWaare beigebrachten Thatsachen liefern hinreichenden Beweis für die Noth-wendigkeit ihrer Veredlung für alle Falle, wo es auf schöneres Ansehen undfeineren Geschmack ankommt. Sämmtliche Proceduren der Rohzuckerreinigung,insofern sie zusammengenommen nur bezwecken, dem Rohproduct eine weißeFarbe, eine trockne Beschaffenheit und reinen Geschmack zu ertheilen, lassen sichauf den einen Zielpunkt zurückführen: möglichste Scheidung der Melasse vondem krystallisirbaren Rohzucker.

Die herrschende Theilung der Arbeit in der Darstellung des Zuckers ausRohr ist ein wesentlicher Vorzug, weil sie das Rafsiniren Handen zuweist; mitwelchen der Plantagenbesttzec in Mitteln (mechanischen, wie Geldmitteln) undIntelligenz in keiner Weise concurriren kann; sie ist aber auch ein Uebel, weilder ganze Betrag des Rohzuckers zum Zweck der Reinigung ein zweites Malin Wasser aufgelöst, weil also dieser (nicht an und für sich, sondern lediglichdurch die Theilung der Arbeit nöthig gewordene) Wasserverbrauch auch wiederverdampft werden muß, wobei der Zucker ausss Neue den Wechselfallen desSiedeprocesses und den Einflüssen verfallt, welche so unvermeidlich auf die Zer-störung, also Entwerthung eines Theils des Gutes hinwirken. Es ist übrigensnicht in Abrede zu stellen, daß der Werth- und Fabrikationsverlust der Rafflenerien, seit man die verbesserten Methoden und Gerathe der Rübenzuckerfabri-ken eingeführt, gegen früher um ein Bedeutendes gesunken ist. Man kanntenämlich sonst kein anderes Reinigungsmittel, als das thierische Eiweiß imOchsenblut, mit welchem ein neuer Keim der Zersetzung in die Zuckermasse künst*lich hineingetragen wurde — und handhabte dieses Mittel nach Methoden,deren Erfolg bei der Entblößung aller rationellen Anhaltspunkte und Wegw^ser, fast gänzlich der persönlichen Geschicklichkeit des Arbeiters in die Hände g e ’geben war. Seit der Einführung der Knochenkohle und der Dampfheizungin den Raffinerien ist der Erfolg verhältnißmäßig, d. h. soweit die verbessertenHülfsmittel zureichen, gesichert. Er würde es völlig sein, wenn die Raffinerieauf einer zuverlässigeren Grundlage fußte, als sie der Plantagenbetrieb ist, betden Raffinerien ein Rohproduct von ewig wechselnder Beschaffenheit liefert-Das bloße Ansehen und die empirischen Kennzeichen gewähren nur einentrügerischen Maaßstab, um den wahren Werth, den Gehalt des Rohzuckers undarnach das Verfahren seiner Reinigung zu bemessen. Leider ist auch die WVsenschaft bis jetzt nicht im Stande, der Praxis mit einer sicheren und leicht a»^fühlbaren Probe des Rohzuckers auf seinen Gehalt an reinem kcystallisirbareRohrzucker unter die Arme zu greifen, wenn man nicht hierher die neuerdingsaufgekommene sogenannte optische Probe rechnen will, über deren Braucht