Chemischer
Bestand.
184 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschaftl. Gewerbe.
Lage der Rübe gegen den Boden, die Gestalt, der Umfang der Rübe und ihreFarbe.
Die Rübe einiger Runkeln bildet sich unter der Erdoberfläche, bei anderengänzlich über derselben in der Luft aus, und hat bei noch andern ihre Stellung halbin der Luft, halb in der Erde; daher »oberirdische«, » unterirdische«Rüben k . — Die meisten Runkelrüben haben eine spindelförmige Gestalt, diebald (wie bei den Rettigen) lang und schmaler, bald durch Derdickung kürzerund runder erscheint, beides unter sehr verschiedenem Volum nach beendetemWachsthum; seltener- ist die Tellerform, bei welcher der Durchmesser dieLange überwiegt. — Wahrend das Fleisch bei vielen Rüben weiß ist, erscheintes bei anderen violett, orange oder gelb; oft ist das Innere weiß und dieSchale allein gefärbt.
Als Nebenkennzeichen dienen: die Ausdehnung der Blattkrone, der Um-fang der Blatter und ihrer Blattstiele; die Gestalt der Blatter, ob sie gekräu-selt sind oder nicht; ihre Farbe, ob sie hell- oder dunkelgrün, ob sie roth einge-faßt sind, oder nicht u. s. f.
Schneidet man eine Runkelrübe in der Richtung ihrer Langenaxe inzwei Halsten, so geben die Schnittflächen ein sehr gutes Bild von der Struc-tur der Rübe. Man bemerkt zunächst, daß die Blattstiele ziemlich tief imKörper der Rübe ihren Ursprung nehmen und dort das sogenannte »Herz«nämlich eine ziemlich ausgebreitete Region bilden, welche sich durch ihre schongrünliche Farbe und ihren Reichthum an faserförmigen Gefäßen auszeichnetund, ihrem chemischen Bestand nach, mehr den Blattstielen als der Rübe ange-hört. In einer Zone um dieses Herz herum und unterhalb derselben bis andie Spitze, ist die eigentliche Rübensubstanz vertheilt, welche aus concentrischenSchichten aus zweierlei Geweben, von fasrigen Gefäßen und Zellmasse abwech-selnd zusammengesetzt ist. Die Zellen enthalten weder Stärkemehl noch kcy-stallisirte Salze, sondern nur eine Flüssigkeit, welche vorzugsweise aus gelös-tem*) Zucker besteht — und zwar die kleineren Zellen, welche die Fasecgefaßeumgeben, mehr als die größeren, die davon entfernter liegen. Im Gegensatzzu den Zellen führen die saftigen Gefäße, wenigstens im Herzen, angeblichgar keinen Zucker, enthalten aber Salze in fester, krystallisirter Form. Pa-yen schloß aus seinen Versuchen, daß in der eigentlichen Rübe die saftig^Schicht, welche auch den größeren Theil ausmacht, viel mehr (13 Proc.) Zucketenthalt, als die Zellenschichte (0,8) und daß also der Zucker größtentheils in demdie Gefaßbündel begleitenden Gewebe abgesondert wird.
Wie in anderen Pflanzen, so sind in den Runkelrüben sehr zahlreicheSubstanzen chemisch unterschieden und, mit den bereits erwähnten, bis jetzt fti'gende aufgefunden worden:
1) Wasser.
2) Zucker. Pelouze und Peligot hatten schon früher behauptet, dar
*) Raspail fand zwar, daß der Zucker nicht in den gewöhnlichen, eigentlichZellen aufgelöst, sondern gerade in den Längsgefäßen in fester Form entyaisn, — hat jedoch die Wahrscheinlichkeit durchaus gegen sich.