188 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschastl. Gewerbe.
<«< Rübensaft, noch Rübenbrei, noch Rübenschnitte entwickeln mit Kalk in derKalte Ammoniak, selbst vermittelst Durchlecken von Wasserstoff konnte mitSalzsäure kein Ammoniak verdichtet werden, auch nicht nach vorhergegangenemKochen; dies geschieht aber sogleich, wenn man Salmiak zusetzt. Ebenso wennder Saft mit Alkali, oder Kalk erhitzt wird. Ist diese Ammoniakentwicklung be-endigt, so kann sie aufs Neue hervorgerufen werden, wenn der Saft inzwischeneinige Stunden steht; aus 10000 Th. Saft erhielt man 3,3 Th. reines Am-moniak , d. i. beiläufig 3 Proc. der stickstoffhaltigen Materie. Die Ammoniak-entwicklung ist demnach keine Abscheidung von fertig vorhandenem Ammoniakaus dessen Salzen; sondern vielmehr eine Bildung, oder Erzeugung von Ammo-niak durch die Einwirkung der Alkalien, oder des Kalks auf diejenigen stickstoff-haltigen Substanzen des Saftes, welche weder durch Kalk noch durch Siedhitzegefallt werden. (Höchsten er.)
Um zu wissen, welche Abweichungen in dem qualitativ-chemischen Be-stand der Rüben vorkommen, um zu wissen, ob einige der bezeichneten Stoffein dieser Art fehlen, in jener vorhanden sind, müßte man zahlreiche Analysenzur Vergleichung haben. Die Stelle dieser fehlenden Analysen wird aber eini-germaßen durch die umfassenden Erfahrungen der Rübenzucker-Fabrikation er-setzt, welche mit Bestimmtheit zu erkennen geben, daß die nämlichen Stoffeim Wesentlichen allen Runkelrüben gemein sind. Desto bedeutender, sowohl ansich als für die Praxis, sind aber die Abweichungen in dem gegenseitigen Ge-wichtsverhaltniß der angeführten Bestandtheile, so daß man kaum zwei Rü-ben finden möchte, welche bei der quantitativen Analyse ein völlig gleiches Er-gebniß liefern. Den bestehenden Erfahrungen zufolge sind diese Abweichungenbedingt: von der Art oder Spielart der Rüben; vom Boden, Klima, Jahr-gang und Witterung; von der Cultur; von dem Zustand der Reife oder demAlter und zuweilen von zufälligen, nicht regelmäßigen Einflüssen,ungleich in den In der Zuckerfabrikation haben folgende Spielarten bis jetzt AnwendungSpielcirlcn. . 1) die große Feldrübe (disette der Franzosen), mit weißem Fleisch
und weißer Schaale. Einige Abarten zeigen aus dem Querschnitt abwechselndrosenrothe und weiße Ringe. Die Blattstiele sind weiß. Sie erreicht unterallen die bedeutendste Größe, bis zu 25 Pfd. und mehr. Eine von Pommierim Departement Bois le Eomte bei Vitry gezogene Rübe wog 26 Pfd., einevon Lafayette wog 28 Pfd., eine von Vilmorin gezogene sogar 34 Pfd-Sie wachst stark über die Bodenflache. Ihr Saft hat ungefähr 6° B. 2) Dieschlesische Rübe; in derRegel mit weißem Fleisch, zuweilen auch mit rostn*rothen Ringen. Mehr birn- als spindelförmig. Sie ist kleiner als die vorherge*hende, geht weniger tief und erheischt daher keine so tiefgehende und kostsp^lige Bearbeitung des Bodens. Sie ist nicht gerade saftceich, aberund daher (obwohl schwieriger zu reiben) weniger empfindlich gegen mechNfnische Verletzung und Frost, welche leicht Faule erzeugen. Ihr Saft 0sehr zuckerreich, zeigt 7 — 10° SS. und ist, in Folge seiner Reinheit aMleichtesten auf Zucker zu bearbeiten. 3) Die gelbe Runkelrübe, ebenfallbirnförmig und von mittlerem Umfang. Blattstiels nicht weiß, sonderngelb-grün. Hat sehr weiches Fleisch und liefert einen Saft von 5 — 7 '°®-