220 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschastl. Gewerbe.
»,-k„ng. welche sich nicht allein durch die Concentration selbst, sondern auch durch diefortdauernden chemischen Einflüsse vermehren und daß endlich ungefärbte Ver-bindungen , wie Salze, Zuckerkalk rc. vorhanden sind, welche die Krystallisationum so mehr erschweren, als sie wegen der Volumverminderung durch Eindam-pfen, relativ an Masse zugenommen haben. Es laßt sich leicht berechnen, daßder freie Kalk in dem geläuterten Saft, durch die Abdampfung zum Krystallisa-tionspunkt, auf beinahe 1 Procent, die löslichen Salze auf nahe 3 Proc. stei-gen müssen. Darum ist es eine dringende Nothwendigkeit, den Saft zwischender Periode der Läuterung und der der Krystallisation von diesen Stoffen soviel als möglich zu befreien. Dazu dient, wie bekannt, ganz allgemein die ausKnochen bereitete thierische Kohle,, die Knochenkohle*). Sie hat die Eigen-schaft, verschiedene in einer Flüssigkeit aufgelöste Stoffe an der Oberfläche ihrerPoren zu verdichten, dadurch unlöslich zu machen und mithin abzuscheiden.Enthalt eine Flüssigkeit, wie geläuterter Rübensaft, verhältnismäßig viel Zuckerneben geringen Mengen färbender Stoffe, Kalk und Salze, so werden diese vonder Kohle vollständig absorbirt, wahrend der Zuckergehalt sich kaum merklichvermindert. (Siehe den Anhang »Knochenkohle«.)
Wäre der Rübensaft jedesmal und aller Orten von gleicher Beschaffenheit,so würde schwerlich eine Verschiedenheit in der Ausführung der nun folgendenOperationen bei den verschiedenen Fabrikanten existiren. Diese Beschaffenheitist aber äußerst ungleich, so daß hierdurch, sowie durch den Einfluß des Läuter-verfahrens, in Folge der herrschenden Ansicht über das Verhalten des Saftesund die Fortbildung und Entwicklung dieser Ansicht, aber auch in Folge al-ter Gewohnheiten und neuer Vorurtheile; die beiden Operationen und ihreAufeinanderfolge zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten, in ver-schiedener Weise gehandhabt wurden und noch werden.
Früher, wo man mehr geneigt war, die Färbung und Trübung des Sa^tes beim Eindampfen der Temperatur, als den von der Läuterung zurückgeblie-benen fremden Stoffen zuzuschreiben, pflegte man den geläuterten Saft ohn§weiteres einzudampfen, bis sich jene Erscheinungen einstellten, worauf manFiltriren durch Knochenkohle schritt, um dann den geklärten Saft zur Kryst^lisation zu verdampfen. — Vor der Filtration, also wahrend des Abdampft^fanden es einige für nöthig, nachdem die Ammoniakentwicklung aufgehörtdas freie Alkali, wenn es zu stark vorwaltete beinahe, aber nicht völlig, W'*Schwefelsaure abzustumpfen. (Die böhmischen Fabriken.) Die Nachtheile die^ses Mittels, dessen Anwendung auf dem großentheils irrthümlichen Glauben ^den schädlichen Einfluß der Alkalien auf den Zucker hervorgingen, sind bereioben in Erwägung gezogen worden. Sie verschwinden nicht, wenn man siw'nach Brande, der ohnehin zu kostspieligen Phosphorsäure, statt der Schw^felsaure bedient. Andere (die französischen Fabriken) wählten daher zur Entziehung des freien Alkalis ein viel rationelleres Mittel, und streuten das sta»^förmige Pulver, welches bei der Zerkleinerung der Knochenkohle abfallt, t"Abdampfpsannen.
') Ehedem Rindsbliit, wie bei dem Rafflniren des Coloiualzuckers S. 176.