Zuckersiederei. Rübenzucker. Siebeapparate. 233
gerade das Gegentheil. Man kehrte daher alsbald zur Condensation durchWasser und selbst zur Luftpumpe zurück, die zu umgehen man so große An-strengungen gemacht hatte.
Ein eigenthümliches Princip, einen lustverdünnten Raum direct durch P-u,Dampf zu erzeugen, ist 1830 von Pelletan angegeben, und 1834 seinenZuckersiedeapparat zu Grunde gelegt worden: Wenn ein elastischer Körper,z. B. eine Uhrfeder, aus dem Zustande der Ruhe in eine gespannte Lage ge-bracht und plötzlich losgelassen wird, so kehrt sie bekanntlich nicht sogleich indie vorige Lage zurück, sondern überschreitet um ein Beträchtliches diesen Punktnach bcr entgegengesetzten Seite. Hat man 1 Kubikfuß Luft auf die Halstezusammengepreßt und laßt ihn plötzlich frei, so wird er sich wieder ausdehnen,aber über sein anfängliches Volum gleichsam Hinausschnellen, z. B. auf 2 Kubik-fuß, und dann erst zurückkehren. Ebenso nimmt gespannter Dampf beim Aus-strömen nicht sogleich das Volum an, welches ihm unter dem einfachen Luft-druck zukömmt, sondern ein bedeutend größeres; er wird im ersten Moment imVerhältniß zum umgebenden Luftdruck verdünnt sein. Geschieht das Ausströ-men des zusammengedrückten Dampfes nicht in die freie Luft, sondern in eingeschlrssErs Gefäß, so wird in jenem Moment der Inhalt des Gefäßes sichzur Umgebung, als ein Raum von beträchtlicher Luftverdünnung verhalten.Dies ist in der That das Pelletan'sche Vacuum. Der Dampf strömt auseiner conisch verjüngten Röhrenmündung in eine Kugel von angemessenemRauminhalt; durch eine Oeffnung auf der entgegengesetzten Seite entweichtdie, von dem Dampf vertriebene Luft. Schließt man nach dem Entweichenderselben die beiden Oeffnungen, so bleibt die Kugel mit sehr verdünntemDamps erfüllt, und ist mithin ein Vacuum, welches nunmehr durch herge-stellte Verbindung mit Eondensator und Pfanne auf diese beiden Theile über-tragen werden kann. — Je mehr der Dampf vor seinem Austritt gespanntwar, um so vollständiger seine Wirkung. Erfahcungsmaßig darf die Span-nung des Dampfes nicht unter 4 Atmosphären sein (60 Pfo. Druck auf denQuadratzoll), alsdann erhalt man eine Druckverminderung im Inneren bis aus50 Eentimeter Quecksilber oder 20 Zoll. Man erspart hierbei Damps im Ver-gleich mit ben vorigen Apparaten, aber man braucht ihn von höherem Druck,was immer ungern gesehen wird. —
Die Erhaltung des Vacuums geschieht durch einen Regen von Wasserwie beim Roth'schen Apparat; auch wird die Siedepfanne ebenso durchDampftöhrrn geheizt, aber bei einer ungleich bequemeren Einrichtung. DiePfanne ist nämlich walzenförmig von der Gestalt eines Dampfkessels; dieHeizröhren sind zu einer Art Rost so vereinigt, daß das ganze System an ei-ner Platte befestigt ist, welche die Mündung der Pfanne verschließt. Bei derReinigung hat man daher nur diese Platte zu entfernen, um den ganzenRost herauszunehmen.
Trappe's Apparat hat im Uebrigen die gewöhnliche Kesseleinrichtungunb einen Eondensator mit Einspritzung von kaltem Wasser. Er zeichnet sichabex dadurch aus, daß der Eondensator in eine Toricelli'sche Röhre von32 Fuß senkrechter Höhe endigt. Man kocht also hiebei in demselben Vacuum,