Volks-schci fllichr
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250 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschaftl. Gewerbe.
Cs geht hieraus mit Bestimmtheit hervor, daß die reelle Produktion der-.Runkelrübenindustrie, d. h. die Quantität Rohzucker, welche sie für eine ge-gebene Bodenflache in den Handel bringt, von der reellen Production der Co-lonialzuckerindustrie (für gleiche Bvdenflache) nur in den besten Lagen übertrof-fen wird, ihr aber in den mittelmäßigen und ungünstigen Lagen gleichkommt.Dagegen ist für gleiche Bodenflache und auf gleiche Vegetationsperioden berech-net, der absolute Ertrag des Bodens (Zuckergehalt in der Ernte), bei dem Zu-ckerrohr um mehr als das Doppelte größer, als bei den Runkelrüben; denn schonrelativ ist das Zuckerrohr im Verhältniß von 18 Procent zu 10 Proc. reicher.
Denn man auch einräumen muß, daß es bei der schwammigen Structurdes Zuckerrohrs wahrscheinlich nie gelingen wird, jene 18 Proc. so vollkommenauszuziehen, als dies bei den 10 Proc. der Rübe möglich ist; so steht doch fest,daß die Colonialzuckerindustrie einen weit größeren Spielraum zur VergrößerungihrerProduction vor sich hat, als die Rübenzuckerfabrikation. Denn jene verliertvon den 18 Procent über 10, diese von den 10 Procent etwas mehr als 3. —Nach Boussingault erfordert die Cultur einer Hektare Rüben 113 Man-nes- und 35 Pferde-Arbeitstage; wahrend die Cultur eines gleich großen Zucker-feldes, wie bei Gelegenheit der Gesetzgebung über den Zucker in Frankreichofflciell festgestellt worden, 425 Negerarbeitstage absorbirt. Dies ist eine Ver-schwendung an Arbeitskraft, welche großentheils zu Gunsten einer wohlfei-leren Production gehoben werden kann. Zu diesem in Aussicht stehenden kommtder bereits vorhandene Vortheil, daß das Zuckerrohr fast so viel Brennstoff lie-fert, als zur Verarbeitung des Saftes nothwendig ist, wahrend die Productionvon 100 Pfund Rübenzucker (in Frankreich) 40 Pfund Steinkohlen verschlingt.
Obgleich die Zuckerproduction in den Colonien mit manchen und großen,aber nicht unabänderlichen Uebelständen behaftet ist, die theils in den Gewohn-heiten und Ueberlieferungen, theils in der Indolenz und Ignoranz, theils auchin der Besteuerungsweise des Zuckers liegen; so steht dennoch fest, daß sie ausungleich günstigerer Grundlage ruht als die Fabrikation des Rübenzuckers. Anund für sich ist daher eine Concurrenz von Seiten der letzteren, wie sie gegen-wärtig besteht, nur dadurch möglich, daß die Rübenzuckerproduction den Schutzeines bedeutenden Eingangszolls auf den Colonialzucker genießt und von demSchlag Nutzen zieht, den die Sclavenemanzipation den Colonien versetzt hat.
Die Abschaffung der Sclaverei verwandelte durch einen raschen Uebergangdas vorher sichere, zuverlässige und gleichmäßige Verhältniß zur Arbeitskraft, wiesie den Colonien in der schwarzen Bevölkerung überliefert war, in die Abhän-gigkeit von einer, in ihren Neigungen arbeitscheuen und genußsüchtigen Masse,welche von einer freiwilligen Ordnung ihrer Thätigkeit keine Begriffe hat undnur dem Augenblicke lebt. Indessen scheint diese schwere Uebergangsperiodeglücklich überstanden zu werden, denn aus den englischen Colonien z. B. wurdeausgeführt:
1814 bis 34 (Periode noch dauernder Sclaverei) 4,272000 Centner,1835 bis 38 (Periode der Lehrzeit) 4,280000 »
1838 bis 46 (Periode der Freiheit) 4,089000 »
1847 5,792000