Sucferftcbetei. Die Knochenkohle. 265
Bittere von Wermuth,Aloö :c.; ferner stinkende Ausdünstungen faulender Kör-per, brenzliche Oele, Fuselöl des Branntweins, verschiedene flüchtige Pflanzen-öle u.s.w. Später fand Graham, daß anorganische Substanzen der Wirkungder Knochenkohle eben so unterworfen sind, und zeigte, daß die Kohle den Kalkaus dem Kalkwasser, daß sie die basischen Metallsalze, besonders die des Bleies,ferner Ammoniak und Kali aus ihren Auflösungen in Wasser, vollständig auf-saugt. Auf neutrale Salze hat sie dagegen weniger Einwirkung. Nach Ehe-da llier's Versuchen werden neutrales essigsaures und salpetersaures Bleidurch ausgewaschene und unausgewaschene Thierkohle vollständig entzogen.Dies geschieht leichter bei dem essigsauren Blei. Die Entziehung erfordert(bei 1 bis 10 Thln. Kohle auf 1 Thl. Salz) in der Kalte einen, zwei bis sechsTage, in der Siedhitze zwei bis fünf Minuten. Die Bleisalze wurden voll-ständig absorbirt, wenn sie in Wasser, Weingeist oder Essigsaure gelöst waren,aber der Salz- oder Salpetersäure wurde das darin aufgelöste Blei nicht ent-zogen. — Nach Graham wird sogar dem Zodkalium das Jod entzogen.Deppen's Untersuchung ergab, daß die Wirkung der Kohle sich wahrschein-lich auf alle Metallsalze erstreckt. Sie ergab sich als gewiß bei: Schwefel-saurem Kupfer-, Zink-, Chromoxyd und.Eisenoxydul, bei salpetersaurem Ni-ckeloxyd, Silberoxyd, Kobaltoxydul , Queckstlberoxydul und -oxyd. Ferner beiessigsaurem Bleioxyd, Brechweinstein, Iinnchlorür, Sublimat und essigsauremEisenoxyd. Bei der Fällung dieser Salze durch Kohle können drei Falle ein-treten: entweder wird das Salz unverändert absorbirt, oder es wird ein basi-sches Salz auf die Kohle niederschlagen, oder endlich das darin enthaltene Oxydwird reducirt. — Auch Metallsäuren, nämlich Antimonsäure und Wolfram-sauce werden aus Kali und Ammoniaksalz gefällt; dagegen war keine Wirkungauf arsen- und arsenigsaures Natron. Salze mit alkalischer Basis werdenschwach afficirt. — Freie Sauren erschweren oder verhindern die Fällung desDetalloxyds, welche übrigens von dem Kalkgehalt der Kohle nicht abhängt.Die absorbirten Stosse werden ohne chemische Veränderung auf der Oberflächeöer Kohle abgelagert, wie man unter andern daraus entnehmen kann, daß deraus einer Jndiglösung aufgenommene Farbestoff durch Kali wieder aus derKohle ausgezogen werden kann. Mit der Zeit kann die Kohle indessen auf dieaufgenommenen Stoffe, wahrscheinlich vermöge der innigen Berührung damit,chemisch einwirken. So wird z. B. Bleioxyd nach einiger Zeit zu metallischemBlei reducirt.
Aus den vorhandenen Beobachtungen zusammengenommen, geht nunhervor, daß das Absorptionsvermögen der Kohle sich, wo nicht auf alle, dochauf eine große Anzahl Stoffe der verschiedenartigsten chemischen Natur er-streckt; daß es aber nach Maaßgabe dieser chemischen Zusammensetzung vonsehr verschiedener Intensität ist. Es geht daraus hervor, daß dieses Vermögenin der Regel nur durch eine mechanische Kraft wirkt, die indessen in manchenFallen mächtig genug ist, chemische Anziehungen von einiger Stärke zu über-winden. —
In der That ist dieses Absorptionsvermögen eine Erscheinung, welche al-lcn festen Körpern eigenthümlich ist und auf der Anziehung beruht, welche ihre
Eigenschaften
der
Knochenkohle.